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Ehemals größter chinesischer Baukonzern Evergrande soll abgewickelt werden
Der ehemals größte Baukonzern Chinas soll abgewickelt werden. Ein Hongkonger Gericht ordnete dies am Montag an, um den Gläubigern des massiv verschuldeten Unternehmens zumindest einen Teil ihres Geldes wiederzubeschaffen. Allerdings steckt ein Großteil des Vermögens in Projekten in Festland-China; Experten erwarten daher, dass insbesondere für ausländische Gläubiger nicht viel zu holen sein wird.
Die Hongkonger Richterin Linda Chan erklärte, sie halte die Abwicklung in Anbetracht des "offensichtlichen Mangels an Fortschritten seitens des Unternehmens bei der Vorlage eines tragfähigen Umstrukturierungsplans" für angemessen. Der Gläubiger Top Shine Global hatte 2022 in Hongkong den Antrag auf die Liquidierung von Evergrande gestellt. Anfang Dezember gewährte Chan dem strauchelnden Unternehmen noch einen Aufschub. Die Frist verstrich am Montag.
Das Gericht habe bei der Anhörung im Dezember deutlich gemacht, dass es einen "vollständig formulierten und realisierbaren Vorschlag" für eine Umstrukturierung erwarte, führte die Richterin aus. Durch den Verkauf von Vermögenswerten seien die Interessen der Gläubiger "besser geschützt". Unabhängige Liquidatoren sollen dies übernehmen. Chan benannte dafür Edward Middleton und Tiffany Wong von der internationalen Kanzlei Alvarez & Marsal.
"Das Unternehmen hat sich die Auflösung selbst zuzuschreiben", sagte Gläubiger-Anwalt Fergus Saurin nach der Entscheidung des Gerichts. Evergrande habe es versäumt, mit den Gläubigern in den Dialog zu treten.
Nach der Ankündigung stürzten die Evergrande-Aktien an der Hongkonger Börse weiter ab. Wenig später stoppte die Börse den Handel der Titel des Mutterkonzerns sowie der Tochtergesellschaft für Elektrofahrzeuge.
Evergrande steht im Mittelpunkt der Krise des chinesischen Bausektors. Chinas Behörden hatten 2020 mit Beschränkungen bei der Kreditbeschaffung auf die ausufernde Verschuldung der Branche reagiert. Besonders bei Evergrande führte dies zu Zahlungsausfällen und Projektabbrüchen. 2021 beantragte der Konzern ein Insolvenzverfahren. Er hat umgerechnet mehr als 300 Milliarden Euro Schulden angehäuft.
Die Anordnung zur Abwicklung sei erwartet worden, erklärte der Finanzexperte Redmond Wong von Saxo Markets. Die Frage sei nun, ob es den Liquidatoren gelingt, bei chinesischen Gerichten die Beschlagnahmung von Vermögenswerten durchzusetzen. Gerichte auf dem Festland "können sich weigern, Liquidatoren aus Hongkong anzuerkennen", sagte Jonathan Leitch von der Kanzlei Hogan Lovells.
Evergrande-Chef Shawn Siu nannte die Gerichtsentscheidung "bedauerlich", kündigte jedoch an, die Geschäfte in China würden davon nicht beeinträchtigt. "Der Konzern wird sich weiterhin bemühen, alles zu tun, um die Stabilität ihres inländischen Geschäfts und Betriebs zu gewährleisten", sagte er einem chinesischen Wirtschaftsmagazin. Der Hongkonger Unternehmensteil sei unabhängig.
Die Entscheidung könnte dennoch Auswirkungen auf die Bautätigkeit von Evergrande in China haben. Die Liquidation werde Investoren an den schlechten Zustand des Sektors erinnern und "könnte ausländische Investoren fernhalten", erklärte Ken Cheung, Chefstratege für Asien des Finanzdienstleisters Mizuho.
H.Romero--AT