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Esken kritisiert Lesebeschränkung bei Twitter
SPD-Chefin Saskia Esken hat mit scharfer Kritik auf die neuen Lesebeschränkungen bei Twitter reagiert. "Mit seiner wenig durchdachten, aber folgenreichen Entscheidung, den Zugriff auf Nachrichten massiv zu beschränken, legt der amerikanische Superreiche Elon Musk erneut die Axt an Twitter", sagte Esken dem "Handelsblatt" vom Montag.
Das Online-Netzwerk sei von seinen Nutzerinnen und Nutzern "kostenlos gefüttert, groß gemacht und etabliert" worden und spiele zudem für die öffentliche Debatte in Deutschland, für Politik und Medienwelt eine "erhebliche Rolle", sagte Esken. "Ich bin überzeugt, dass wir diesen wichtigen digitalen öffentlichen Raum nicht weiterhin in den Händen eines Tech-Giganten mit fragwürdigem Demokratieverständnis lassen dürfen."
Sie selbst hatte im vergangenen Jahr ihren Twitter-Account stillgelegt und sich beim Konkurrenten Mastodon einen Account eingerichtet – einem dezentral organisiertem Kurznachrichtendienst, der im Gegensatz zu Twitter unterschiedliche Server, sogenannte Mastodon-Instanzen, nutzt, die größtenteils ehrenamtlich betrieben werden. "Grundsätzlich halte ich ein Mastodon-Netzwerk durchaus für geeignet, die gesellschaftliche Funktion von Twitter zu übernehmen", sagte Esken.
Die SPD-Chefin regte an, dass Politik und Staat "im Sinne einer digitalen Daseinsvorsorge" Mastodon unterstützen, damit das Netzwerk eine schnell wachsende Anzahl von Nutzern und ihren Content verkraften, die Software aktuell und sicher gehalten und weiterentwickelt werden könne. So könnten etwa die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten kuratierte und moderierte Instanzen von Mastodon anbieten und so dabei helfen, "dass eine an unseren demokratischen Grundwerten orientierten Alternative zu Twitter groß werden kann", sagte Esken.
Twitter-Chef Musk hatte am Samstag mitgeteilt, die Zahl der von seinen Nutzern abrufbaren Tweets vorübergehend zu reduzieren. Mit dem Schritt solle das "extreme Ausmaß des Daten-Schürfens" und "Systemmanipulation" durch andere Onlineplattformen bekämpft werden, erklärte er.
Bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) füttern viele Unternehmen diese mit Beispielen von in Onlinediensten geführten Unterhaltungen. In jüngster Zeit hätten "hunderte Organisationen" auf diese Weise "extrem aggressiv Twitter-Daten geschürft", was teilweise zur Überlastung des Dienstes geführt habe, erklärte Musk.
T.Wright--AT