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Italiens WM-Aus wird zum Politikum - Druck auf Gravina wächst
Italiens drittes WM-Aus in Folge wird zunehmend zum Politikum - und der Druck auf Fußball-Verbandspräsident Gabriele Gravina wächst weiter. Nachdem bereits die zweitstärkste Regierungspartei Lega den Rücktritt Gravinas gefordert hatte, sprach sich Medienberichten zufolge auch Italiens Sportminister Andrea Abodi für eine Demission des seit 2018 amtierenden Verbandschefs aus. Auch Teile des Parlaments schlossen sich der Forderung an.
"Es ist offenkundig, dass der italienische Fußball neu aufgebaut werden muss. Dieser Prozess muss mit einer Erneuerung der Verbandsspitze beginnen. Ich halte es für unfair, die eigene Verantwortung für das dritte WM-Aus Italiens in Folge abzustreiten", wird Abodi in italienischen Medien zitiert. Der Minister verwies darauf, dass Gravinas Vorgänger Luigi Abete und Carlo Tavecchio nach den missglückten WM-Qualifikationen 2018 und 2022 zurückgetreten waren.
40 Senatoren aus Regierungskoalition und Opposition unterzeichneten darüber hinaus einen Antrag, indem Ministerpräsidentin Giorgia Meloni aufgefordert wird, "dringend" vor dem Parlament über den Zustand des italienischen Fußballs zu berichten. Das wiederholte Verpassen der WM sei nicht nur eine sportliche Niederlage, "sondern ein Rückschlag für einen der wichtigsten sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche des Landes".
Sollte Gravina den politischen Forderungen folgen, gilt der frühere Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) Giovanni Malagò als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge. Als mögliche Nachfolger für den ebenfalls unter Beschuss stehenden Nationaltrainer Gennaro Gattuso werden unter anderem Napoli-Coach Antonio Conte sowie Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021, gehandelt.
Einen ersten konkreten Vorschlag zur Umstrukturierung brachte Senatspräsident Ignazio Larussa ein. Die Klubs sollten demnach dazu verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen.
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sieht in der politischen Einflussnahme ein Kernproblem des italienischen Fußballs. "Vielleicht sollten sich italienische Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas hat", sagte der 58-Jährige der Gazzetta dello Sport: "Das größte Problem im italienischen Fußball ist das Verhältnis zwischen Fußballpolitik und 'normaler' Politik. Würden alle an einem Strang ziehen, wäre Italien bald wieder Europa- und Weltmeister."
G.P.Martin--AT