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"Eine Ehre": Alcaraz schlägt Djokovic in historischem Finale
Carlos Alcaraz ist nach dem Melbourne-Finale der jüngste Spieler, der den Karriere-Grand-Slam vervollständigt. Novak Djokovic verpasst seinen 25. Major-Titel.
Melbourne (SID) Carlos Alcaraz reckte stolz den Silberpokal in die Luft, während der geschlagene Rekordjäger Novak Djokovic mit einem grimmigen Lächeln seinen Trostpreis umklammerte. Mit seinem Premierentitel bei den Australian Open fügte der Weltranglistenerste aus Spanien im Alter von erst 22 Jahren seiner Laufbahn das fehlende Puzzleteil hinzu. "Niemand weiß, wie hart ich für diese Trophäe gearbeitet habe. Ich und mein Team sind durch so viel gegangen", sagte Alcaraz bei der hochemotionalen Siegerehrung.
Im historischen Finale von Melbourne hatte er Djokovic zuvor mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5 niedergerungen und als jüngster Spieler der Geschichte seinen Karriere-Grand-Slam komplettiert. Danach dachte er schnell an seinen Kontrahenten. "Was Du machst, ist inspirierend. Es ist eine Ehre für mich, den Court mit Dir zu teilen", sagte er in Richtung von Djokovic.
Alcaraz, der nun sieben Majortitel gewonnen hat, löste den bisherigen Rekordhalter Don Budge (USA) ab. Djokovic hingegen verpasste es, das nächste große Kapitel Tennisgeschichte zu schreiben. Er muss weiter auf seinen 25. Grand-Slam-Titel warten und teilt sich die Bestmarke noch immer mit der Australierin Margaret Court, die auf der Tribüne zuschaute.
"Glückwunsch Carlos, das war ein fantastisches Turnier. Was Du geschafft hast, ist historisch - legendär", sagte Djokovic, der sich als großartiger Verlierer präsentierte - und bald schon wieder scherzen konnte. "Du bist noch so jung, hast noch so viel Zeit. So wie ich auch. Ich bin sicher, wir werden uns noch häufiger auf dem Platz sehen", sagte der 38-Jährige - "in den kommenden zehn Jahren".
Auch Djokovics einstiger Rivale Rafael Nadal spendete von der Tribüne der Rod Laver Arena aus Applaus und bekam ebenfalls ein paar warme Worte mit. "Es fühlt sich komisch an, Dich da oben zu sehen und nicht hier", sagte Djokovic: "Es war eine Ehre, vor Dir zu spielen, danke, dass Du da warst."
Alcaraz hatte zuvor nach einer intensiven Partie und 3:02 Stunden seinen ersten Matchball verwandelt. Auch weil Djokovic nach seinem strapaziösen Halbfinale am Freitag nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, verlor er im elften Anlauf zum ersten Mal ein Finale bei den Australian Open. Letztlich verdiente sich aber der Weltranglistenerste Alcaraz den glänzenden Norman Brookes Challenge Cup.
Den besseren Start hatte aber sein Gegner erwischt. Djokovic zog die Fans auf seine Seite, bei jedem Punkt des Serben wurde es laut. Er spielte wie zu seinen besten Zeiten und bekam die Liebe zu spüren, die ihm lange gefehlt hatte. Alcaraz, der bei seinem fast fünfeinhalb Stunden langen Halbfinale gegen Alexander Zverev (Hamburg) Krämpfe gehabt hatte, wirkte hingegen angespannt. Er konnte seine peitschende Vorhand nicht gewinnbringend einsetzen.
Neun vermeidbare Fehler des Spaniers waren zu viel. Djokovic gewann den ersten Satz in nur 33 Minuten, was auch Nadal staunen ließ. Dessen spanischer Landsmann aber fing sich. Bei kühlen 19 Grad lief er sich die Nervosität aus den Beinen. Der zweite Satz war ähnlich einseitig wie der erste - nur mit einem anderen Gewinner.
Djokovic wirkte ab dem dritten Satz plötzlich müde. Alcaraz war nun der aktivere Spieler und nach exakt zwei gespielten Stunden nur noch einen Satz von seinem großen Ziel entfernt. Die aufmunternden "Nole, Nole"-Rufe im Publikum konnten daran nichts ändern. Der nervenstarke Alcaraz ließ sich in einer umkämpften Endphase nicht mehr aufhalten.
M.White--AT