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Djokovic geschlagen: Alcaraz holt historischen Titel
Carlos Alcaraz sank ergriffen zu Boden und genoss in der tobenden Rod Laver Arena seinen großen Moment: Der Weltranglistenerste ist zu seinem Premierentitel bei den Australian Open gestürmt und hat seiner Laufbahn im Alter von erst 22 Jahren das fehlende Puzzleteil hinzugefügt. Im historischen Finale von Melbourne rang er den serbischen Rekordsieger Novak Djokovic mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5 nieder und komplettierte als jüngster Spieler der Geschichte seinen Karriere-Grand-Slam.
Alcaraz, der nun sieben Majortitel gewonnen hat, löste den bisherigen Rekordhalter Don Budge (USA) ab. Djokovic hingegen verpasste es, ein weiteres großes Kapitel Tennisgeschichte zu schreiben. Er muss auf seinen 25. Grand-Slam-Titel warten und teilt sich die Bestmarke weiterhin mit der Australierin Margaret Court.
Alcaraz verwandelte nach einer intensiven Partie und 3:02 Stunden seinen ersten Matchball und feierte den fünften Sieg im zehnten Duell mit Djokovic. Weil der 38-Jährige nach seinem strapaziösen Halbfinale am Freitag nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, verlor Djokovic im elften Anlauf zum ersten Mal ein Finale bei den Australian Open.
Unter genauer Beobachtung von Margaret Court, die spätestens seit Djokovics Husarenstück gegen Jannik Sinner um ihren geteilten Rekord bangen musste, hatten die beiden Kontrahenten die Arena betreten. Alcaraz hatte den Titel in Australien als größtes Ziel in diesem Jahr ausgerufen. "Jeder Schritt mehr, jede Sekunde mehr Leiden, jede Sekunde mehr Kämpfen", sagte er, "ist es immer wert".
Den besseren Start erwischte aber sein Gegner. Djokovic zog die Fans auf seine Seite, bei jedem Punkt des Serben wurde es laut. Djokovic, der im Turnierverlauf insgesamt mehr als vier Stunden weniger auf dem Platz verbracht hatte, kniete sich in Alcaraz' zweites Aufschlagspiel hinein und schnappte sich ein schnelles Break.
Der Serbe spielte wie zu seinen besten Zeiten. Alcaraz, der bei seinem fast fünfeinhalb Stunden langen Halbfinale gegen Alexander Zverev (Hamburg) Krämpfe gehabt hatte, wirkte hingegen unentspannt. Er konnte seine peitschende Vorhand nicht gewinnbringend einsetzen.
"Djokovic hat einen genauen Plan, wie er spielen will. Alcaraz noch gar nicht", analysierte Djokovics Ex-Trainer Boris Becker bei Eurosport. Neun vermeidbare Fehler des Spaniers waren zu viel. Djokovic gewann den ersten Satz in nur 33 Minuten, was auch seinen einstigen Rivalen Rafael Nadal auf der Tribüne staunen ließ.
Nadals spanischer Landsmann aber fing sich. Bei kühlen 19 Grad hatte er sich die Nervosität aus den Beinen gelaufen. Der zweite Satz war ähnlich einseitig wie der erste - nur mit einem anderen Gewinner. Alcaraz, der mit Wind oft besser umgehen kann als seine Gegner, gefiel allerdings nicht, dass das Dach der Arena beinahe komplett geschlossen war, obwohl es nicht regnete. Er beschwerte sich beim Schiedsrichter, verlor aber nicht den Fokus.
Djokovic hingegen wirkte im dritten Satz plötzlich müde. Alcaraz war nun der aktivere Spieler und nach exakt zwei gespielten Stunden nur noch einen Satz von seinem großen Ziel entfernt. Die aufmunternden "Nole, Nole"-Rufe im Publikum konnten daran nichts ändern.
Anfang des vierten Durchgangs wehrte Djokovic sechs Breakbälle in einem Spiel ab und zeigte die Faust. Er brachte die Arena noch einmal hinter sich, doch der nervenstarke Alcaraz ließ sich in einer umkämpften Endphase nicht mehr aufhalten.
F.Ramirez--AT