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"Sommermärchen"-Prozess: Blatter weiß von nichts
Der frühere FIFA-Boss Joseph S. Blatter hat bei seiner Zeugenaussage im "Sommermärchen"-Prozess jegliche Kenntnis der skandalösen Vorgänge rund um die Fußball-WM 2006 in Deutschland bestritten. Blatter konnte sich während der 50 Minuten dauernden Vernehmung nicht an das im Zentrum des Verfahrens stehende Treffen mit Franz Beckenbauer erinnern, auch von einer Verbindung zum früheren Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam wusste der frühere Präsident des Weltverbandes nach eigener Aussage nichts.
"Die FIFA hat Bank gespielt und das Geld vom DFB an Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet. Es war eine Dienstleistung für den DFB. Wofür dieses Geld war, weiß ich nicht", sagte Blatter am Donnerstagvormittag vor dem Landgericht Frankfurt/Main aus: "Den Namen Bin Hammam habe ich in diesem Zusammenhang nie gehört."
Der 88-Jährige war per Videocall aus der Schweizer Hauptstadt Bern zugeschaltet. Der seit März 2024 laufende Prozess beschäftigt sich mit den dubiosen Zahlungsflüssen rund um die Endrunde vor knapp 19 Jahren. Zuletzt hatten die Einlassungen mehrerer Zeugen nahegelegt, dass Blatter eine zentrale Rolle in der Affäre spielen könnte.
Dabei steht ein Treffen zwischen dem in seiner Zeit als FIFA-Boss skandalumwitterten Blatter und dem im Januar 2024 verstorbenen deutschen WM-Boss Beckenbauer im Dezember 2001 in Zürich im Mittelpunkt. In der unmittelbaren Folge des Treffens ging es laut übereinstimmenden Aussagen damaliger WM-Funktionäre erstmals um die ominösen 6,7 Millionen Euro.
Bin Hammam als damaliges Mitglied der FIFA-Finanzkommission trat auf den Plan. Auf dessen Konto in Katar sind die 6,7 Millionen Euro geflossen. Dabei war während des Prozesses immer wieder die Rede von einer "Provision" für den am Ende gewährten WM-Zuschuss der FIFA in Höhe von 170 Millionen Euro.
Die 6,7 Millionen Euro, die der frühere adidas-Chef Louis-Dreyfus offenbar als Darlehen an Beckenbauer zu Bin Hammam transferierte, sind allerdings nie in den Kassen des Weltverbands gelandet. Die Summe wurde 2005 vom deutschen Organisationskomitee über die FIFA an an den 2009 gestorbenen Louis-Dreyfus zurückgezahlt.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verbuchte dies im Jahr 2006 unter dem damaligen Präsidenten Theo Zwanziger als Betriebsausgabe für eine WM-Gala, die abgesagt wurde. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Steuerhinterziehung in Höhe von 13,7 Millionen Euro. In der Folge wurde dem Verband rückwirkend die Gemeinnützigkeit aberkannt, 22 Millionen Euro musste der DFB an Steuern nachzahlen. Wofür die 6,7 Millionen Euro tatsächlich verwendet wurden, ist nach wie vor offen.
Auf der Anklagebank in Frankfurt/Main sitzt nur noch Zwanziger. Ursprünglich mussten sich auch Ex-Präsident Wolfgang Niersbach und der frühere Generalsekretär Horst R. Schmidt verantworten. Das Trio weist die Vorwürfe zurück. Das Verfahren gegen Niersbach war gegen eine Zahlung von 25.000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen eingestellt worden. Schmidt bekommt wegen gesundheitlicher Probleme ein abgetrenntes Verfahren.
N.Walker--AT