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"Wahnsinn": Tschofenig gewinnt Tournee nach Nervenkrimi
Daniel Tschofenig gewinnt den Tournee-Krimi, weil Stefan Kraft mit dem Wind hadert. Die DSV-Adler sind chancenlos.
Bischofshofen (SID) Als Daniel Tschofenig auf den Schultern von Jan Hörl und dem tieftraurigen Stefan Kraft seinen Triumph bei der Vierschanzentournee genoss, standen die DSV-Adler einmal mehr enttäuscht im Abseits. "Wahnsinn! Ich kann gar nicht fassen, dass ich gewonnen habe. Das ist da oben noch gar nicht angekommen", sagte der erst 22 Jahre alte Tschofenig nach seinem furiosen Tagessieg in Bischofshofen, dem ein echter Nervenkrimi vorausgegangen war.
Tschofenig lag nach dem ersten Durchgang nur auf Rang fünf, dann zündete er eine Rakete auf 140,5 m und holte Platz um Platz auf. Die besten Karten hatte dennoch Kraft, der als Führender nach dem ersten Durchgang als letzter Springer ganz oben saß - und wegen des auffrischenden Windes mehrere Minuten warten musste. 137,5 m reichten nicht, Kraft fiel auf Rang drei zurück. Bester DSV-Adler beim furiosen Finale war Andreas Wellinger auf dem neunten Rang.
"Es hat schon ziemlich lang gedauert da oben", sagte Kraft, der als Dritter auch in der Gesamtwertung hinter Tschofenig und dem Tageszweiten Jan Hörl auf Rang drei zurückfiel: "Mir fehlte dann die letzte Spritzigkeit." Der strahlende Sieger Tschofenig gab derweil seiner Freundin Alexandria Loutitt einen langen Kuss. Die Weltmeisterin aus Kanada war nach ihrem Weltcup-Einsatz im 100 Kilometer entfernten Villach extra nach Bischofshofen geeilt.
Ein Bier gab es für den neuen König der Lüfte aber nicht. "Ich trinke keinen Alkohol mehr", verriet Tschofenig. Österreichs Dominanz war derweil auch beim Finale erdrückend: Es war der dritte Dreifachsieg des Austria-Adler bei dieser Tournee. Elf der zwölf Podestplätze gingen an den ÖSV – den bisherigen Rekord von neun Podiumsplätzen durch Finnland (1954/55) und Österreich (2011/12) pulverisierten die Co-Gastgeber locker. Zwischen Tschofenig und Hörl lagen am Ende in der Gesamtwertung nur 1,4 Punkte – nur dreimal in 73 Tournee-Jahren war es enger zugegangen.
Der deutsche Hoffnungsträger Pius Paschke flog zum Ende einer aus deutscher Sicht mauen Tournee auf Platz zwölf. Der fünfmalige Saisonsieger war als Führender im Gesamtweltcup und folglich als Mitfavorit zu den "Four Hills" gereist, musste dort aber die Überlegenheit der ÖSV-Adler neidlos anerkennen. Rang sechs in der Gesamtwertung war dennoch das beste Tournee-Ergebnis für den 34-Jährigen.
"Freuen kann ich mich nicht ganz, aber ich nehme sehr viele positive Sachen mit. Ich bin das erste Mal als Favorit in die Tournee gegangen - damit musste ich erstmal umgehen", sagte der Bayer im ZDF. Bundestrainer Stefan Horngacher gab zu: "Wir sind leider eher schlechter als besser geworden. Das müssen wir akzeptieren". Punkte sammelten am Montag auch Philipp Raimund (15.) und Karl Geiger (beide Oberstdorf/23.) - im Gegensatz zu Adrian Tittel (Aue/33.) und Felix Hoffmann (Goldlauter/36.).
"Es ist ein bisschen Verkrampfung aufgetreten, es ist leider Gottes in die falsche Richtung gegangen", sagte Horngacher. Einziger Trost: Vor zwei Jahren war das Abschneiden noch schlechter, damals hatte es sogar kein Deutscher unter die besten Zehn geschafft.
Mann des Tages war aber Tschofenig, der erst im Dezember den ersten Weltcupsieg seiner Karriere gefeiert hatte. Bei der Tournee hatte er das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gewonnen, führte zur Halbzeit, fiel dann auf Rang drei zurück - und schlug in Bischofshofen zurück. Auch im Gesamtweltcup hat er inzwischen die Nase vorn.
Die Austria-Dominanz erinnerte an 2012, als Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler den letzten von bislang nur drei Tournee-"Sweeps" (nach Finnland 1955 und Österreich 1975) schafften. Nun kam an einem denkwürdigen Tag Nummer vier hinzu.
R.Garcia--AT