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EM-Aus gegen Spanien: Das Sommermärchen endet im Drama
Aus, vorbei, Stecker raus - nach heldenhaftem Kampf hat das Sommermärchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein dramatisches und tragisches Ende genommen. Der dreimalige Europameister verlor gegen den ewigen Angstgegner Spanien im Viertelfinale 1:2 nach Verlängerung und spielt im letzten Kapitel seiner Heim-EM keine Rolle mehr. Das kämpferisch überragende Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann setzte der spielerischen Extraklasse des großen Turnierfavoriten in Stuttgart viel Mut und Leidenschaft entgegen, kam kurz vor dem Abpfiff zurück - und war am Ende doch geschlagen.
Zwar bremste die DFB-Elf besonders die spanischen Ballzauberer auf den Außenpositionen gut ein, dennoch erwies sich die Passmaschine des Gegners im Mittelfeld zunächst als stärker. Dem deutschen Spiel fehlten Sicherheit und Präzision, was Dani Olmo (51.) in aufgeheizter Stimmung mit dem ersten Tor bestrafte. Florian Wirtz (89.) aber schlug mit 77 km/h zurück, die Fans flippten aus - bis der frühere Dortmunder Mikel Merino sie ins Herz traf (119.). Damit spielt Spanien, wo Deutschland allzu gerne gespielt hätte: im Halbfinale am Dienstag in München gegen Frankreich oder Portugal. In der Nachspielzeit der Verlängerung sah Dani Carvajal noch Gelb-Rot (120.+6).
Nagelsmann und die Mannschaft verabschiedeten sich enttäuscht, aber erhobenen Hauptes von ihren Fans, für einige war es wohl das letzte Mal. Zumindest die Welt-Karriere von Toni Kroos ist beendet - nach 114 Länderspielen und insgesamt 34 Titeln blieb dem erfolgreichsten deutschen Fußballer jemals der EM-Pokal verwehrt. Seinen Vertrag bei Real Madrid hatte der 34-Jährige nicht mehr verlängert. Für Manuel Neuer und Thomas Müller könnte es zudem das letzte Länderspiel gewesen sein: das Ende einer Ära.
Nagelsmann sitzt fest im Sattel. Ohnehin läuft sein Vertrag bis zur WM 2026, er kann in der Analyse darauf verweisen, der Mannschaft Stabilität gegeben und ein mitreißendes Team aufgestellt zu haben. Deutschland hat die Fans begeistert, nicht nur, aber besonders beim 5:1 gegen Schottland im Eröffnungsspiel. Das ehrenhafte Aus gibt wenig Anlass zur Kritik: Noch im November hatte die DFB-Elf komplett am Boden gelegen. Julian Nagelsmann kann Nationalmannschaft, auch wenn es im Viertelfinale nicht gelang, eine "alte Festplatte" zu überschreiben.
Ebendies hatte der Bundestrainer seiner Mannschaft nach den vielen bitteren Niederlagen gegen Spanien aufzutragen versucht. Das EM-Finale 2008, das WM-Halbfinale 2010, das blamable 0:6 in der Nations League 2020 waren unvergessen - nun ist der Status des Angstgegners zementiert.
Nagelsmann wartete in Stuttgart mit einer dicken Aufstellungsüberraschung auf. Dass Jonathan Tah nach Gelbsperre zurückkehrte, war erwartet worden, Leroy Sane hatte schon im Achtelfinale gegen Dänemark (2:0) anstelle von Wirtz begonnen. Aber der nachnominierte Emre Can neben Kroos? Das war ein Ding! Robert Andrich, frisch pink gefärbt auf dem Kopf, saß auf der Bank. Nagelsmann begründete dies mit Cans Schnelligkeit, er forderte "den Mut" ein, "an uns zu glauben".
Nach einem Gebet vor dem Anpfiff aber leistete sich Can sofort den ersten Ballverlust, nach nur 53 Sekunden gab Pedri den ersten Schuss zentral auf Neuer ab. Kurz darauf musste der Zauberer vom FC Barcelona den Platz verlassen: Kroos hatte ihn hart gefoult, kam aber ohne Karte davon. Der spätere Torschütze Olmo (RB Leipzig) ersetzte Pedri, der den Tränen nahe war.
Im Mittelfeld begann die erwartete Schlacht um den Ballbesitz, die Spanien mit Olmo, dem Ausnahmesechser Rodri und dem von Can eng bewachten Fabian Ruiz führte. Kroos und Gündogan hielten dagegen, doch das spanische Pressing war stark. Supertalent Lamine Yamal, gerade 16 Jahre alt, setzte einen Freistoß klar daneben (15.), Ruiz schoss übers Tor. Die beste Nachricht war: Die erhofften Räume hinter den gegnerischen Ketten gab es tatsächlich, David Raum brachte aber von links zwei Hereingaben nicht an den Mann. Kai Havertz platzierte einen ersten Kopfball gut aufs Tor (21.).
Die deutsche Mannschaft erholte sich ein wenig, als Spanien die Pressingschrauben löste, setzte sich mal über Standards fest. Doch sobald der Ball im Spiel war, agierte der Favorit zumeist überlegen, Can hingegen hatte aus Dortmund bekannte Probleme mit der Ballsicherheit. In der Abwehr spielten Raum und Rüdiger früh verwarnt. Neuer tauchte gegen Nico Williams meisterhaft ins kurze Eck ab - es war aber Abseits (36.). Einen Olmo-Gewaltschuss ließ er nach vorne prallen (39.).
Nagelsmann korrigierte seine Entscheidungen: Wirtz und Andrich kamen positionsgetreu für Can und Sane, doch es spielte: Spanien. Alvaro Morata (47.) drehte sich um Tah, da fehlte nicht viel - dann allerdings kam Andrich nach einem Yamal-Querpass zu spät gegen Olmo, der aus rund 15 Metern flach einschob. Der deutsche "Kumpelfußball" kam auf den härtesten Prüfstand, fast nichts war mehr "völlig lösgelöst". Füllkrug sollte im Strafraum nun neben Havertz eine der vielen Flanken verwerten, und Nagelsmann ließ pressen.
Es entstand eine mächtige deutsche Druckphase, in der Carvajal in höchster Not in einen Havertz-Schuss grätschen musste. Spaniens Torhüter Unai Simon flog einem Ball von Andrich hinterher, Füllkrug traf aus kurzer Distanz den Pfosten (77.), Havertz lupfte über die Latte (82.). Dann begann das Drama der Verlängerung: mit einem ganz bitteren Ende. Dabei hätte es nach einem Handspiel von Marc Cucurella (106.) sogar Elfmeter geben können - der englische Schiedsrichter Anthony Taylor entschied sich dagegen.
M.White--AT