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Frankreichs zweiter Protesttag bleibt überwiegend friedlich
Hunderttausende demonstrieren erneut für niedrigere Lebenshaltungskosten und besser ausgestattete Schulen. Die Gewalt bleibt begrenzt, doch Polizeiaktionen und rund 1000 Festnahmen sorgen für Kritik.
Der zweite große Protesttag in Frankreich ist am 24. Oktober deutlich ruhiger verlaufen als die von schweren Ausschreitungen überschatteten Kundgebungen eine Woche zuvor. Landesweit gingen nach Angaben des Innenministeriums 410.000 Menschen auf die Straße, während die Gewerkschaften von rund 800.000 Teilnehmern sprachen.
In Paris demonstrierten mindestens 110.000 Menschen. Die Kundgebung sollte ursprünglich am Place de la Bastille beginnen, wurde jedoch wenige Stunden vor dem Start von der Polizeipräfektur an den südlichen Stadtrand verlegt. Die kurzfristige Änderung erschwerte die Anreise und zwang örtliche Geschäftsleute, ihre Läden ohne lange Vorbereitungszeit zu sichern.
Die Maßnahme war Teil einer Reihe von Einschränkungen, die die Regierung nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober verhängt hatte. Dazu gehörten Verbote nicht von Gewerkschaften angemeldeter Versammlungen, nächtliche Ausgangssperren und der Einsatz des Militärs in der Hauptstadt. Im ganzen Land waren 70.000 Polizisten im Dienst, rund 10.000 mehr als in der Vorwoche.
Trotz Regen und Herbstferien beteiligten sich erneut viele junge Menschen. Die 19-jährige Studentin Josefien Mertens berichtete von einer friedlichen Atmosphäre, Musik, kostenlosen Aufklebern und verteiltem Essen. Während ihres zweistündigen Aufenthalts habe sie keine Gewalt erlebt. Über soziale Medien habe sie rechtzeitig vom geänderten Treffpunkt erfahren.
Rund um den Place de la Bastille waren Schaufenster bereits seit Tagen mit Holzplatten geschützt. Entlang der neuen Route versuchten Händler dagegen erst kurz vor dem Demonstrationszug, ihre Geschäfte abzusichern. Die befürchteten Plünderungen und massiven Sachschäden blieben dort aus.
Ganz ohne Auseinandersetzungen endete der Tag jedoch nicht. Als die Pariser Demonstration am Abend den Zielpunkt erreichte, löste die Polizei die Versammlung gewaltsam auf. Auf im Internet verbreiteten Aufnahmen waren der Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Protestierende zu sehen.
Auch aus anderen Städten wurden Verletzte gemeldet. Nach einem Bericht von Le Monde erlitt ein junger Mann in Toulouse eine schwere Handverletzung. In Clermont-Ferrand wurden einem weiteren Mann durch eine Tränengasgranate Finger verstümmelt. La Nouvelle République berichtete über eine Augenverletzung in Poitiers. In Tours brannte eine Bankfiliale.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte dennoch, die Demonstrationen seien insgesamt gut verlaufen. Die Behörden registrierten rund 1000 Festnahmen. Der Pariser Student Dorian, der aus Sorge um seine Privatsphäre nur seinen Vornamen nannte, beteiligte sich zum zweiten Mal. In der Vorwoche habe die Polizei am Place de la République Ausgänge versperrt und Tränengas eingesetzt.
Dorian sagte, er habe Angst vor gewaltsamer Unterdrückung, sehe darin aber gerade einen Grund, weiter zu demonstrieren. Er wirft der Regierung von Präsident Emmanuel Macron vor, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen zu vernachlässigen und gleichzeitig Wohlhabende steuerlich zu entlasten. Auch Beschränkungen des Versammlungsrechts und die hohe Zahl der Festnahmen kritisierte er.
Ein schnelles Ende der Bewegung ist nicht absehbar. Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise kündigte an, die Proteste würden sich Woche für Woche wiederholen. Die Gelbwesten riefen für den 31. Oktober zu einem dritten Aktionstag auf. Für den 5. November ist außerdem ein landesweiter Streik geplant.
T.Wright--AT