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Sorge wegen möglicher Angriffe aus Belarus: Ukraine verstärkt Grenzschutz im Norden
Aus Sorge wegen möglicher neuer Angriffe aus dem mit Russland verbündeten Nachbarland Belarus verstärkt die Ukraine ihre Grenzschutzmaßnahmen im Norden. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU sprach am Donnerstag von Maßnahmen "beispiellosen" Ausmaßes mit Blick auf die Zahl der eingesetzten Kräfte und Mittel. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko erklärte unterdessen während eines Großmanövers mit Russland, dass sein Land bereit sei, den Verbündeten "auf jede erdenkliche Weise" zu verteidigen.
Der SBU erklärte, der verschärfte Grenzschutz solle als "wirksames Abschreckungsmittel gegen jegliche aggressive Handlungen oder Einsätze des Feindes und seines Verbündeten" dienen. Beteiligt seien unter anderem Polizei, Armee, Nationalgarde und Grenzschutz. Ziel sei es, Infiltration, Sabotage, terroristische Aktivitäten sowie Aufklärungsoperationen zu verhindern. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte in seiner abendlichen Videobotschaft ebenfalls weitere Grenzschutzmaßnahmen an.
Die russische Armee hatte am Dienstag laut Moskau eine dreitägige Atomwaffenübung mit zehntausenden Soldaten begonnen. Diese befasse sich unter anderem mit "Fragen im Zusammenhang mit der gemeinsamen Ausbildung und dem gemeinsamen Einsatz von Kernwaffen", die in Belarus stationiert seien. Auch das belarussische Verteidigungsministerium hatte am Montag ein gemeinsames Militärmanöver bekanntgegeben.
Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Donnerstag vor dem Hintergrund der Militärübung, Russland behalte sich das Recht vor, Atomwaffen unter "außergewöhnlichen" Umständen einzusetzen. Die Ukraine erwähnte er dabei nicht. Lukaschenko erklärte seinerseits, sein Land stelle "für niemanden eine Bedrohung" dar. Seine Äußerungen, wonach sein Land Russland "auf jede erdenkliche Weise" verteidigen werde, führte er nicht weiter aus.
Selenskyj hatte am Mittwoch erklärt, sein Land bereite "Antworten auf jeden möglichen Verlauf feindlicher Aktionen vor – falls die Russen tatsächlich wagen sollten, ihre Aggression auszuweiten". Der Kreml hatte am Montag ukrainische Vorwürfe zurückgewiesen, Russland wolle Belarus weiter in den Krieg hineinziehen.
Russland hatte zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 das belarussische Territorium als einen seiner Ausgangspunkte für die Invasion in der Ukraine genutzt. Im Verlauf seines Angriffskriegs drohte Moskau auch wiederholt mit dem Einsatz von Atomwaffen. Im vergangenen Jahr stationierte Russland seine jüngste atomwaffenfähige Hyperschallrakete mit dem Namen Oreschnik in Belarus.
Der ukrainische Militärexperte Serhij Sgurez sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine neue Offensive von Belarus aus sei aus seiner Sicht unwahrscheinlich. Er verwies unter anderem darauf, dass die Ukraine ihre Grenze im Norden bereits seit 2022 erheblich stärker sichere.
Bei neuen ukrainischen Angriffen wurden derweil in Russland mindestens fünf Menschen getötet. Bei einem Drohnenangriff auf die Region Samara wurden nach Behördenangaben zwei Menschen getötet. In der hunderte Kilometer von der ukrainischen Grenze gelegenen Stadt Sysran seien mehrere weitere Menschen verletzt worden, erklärte Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew.
Sysran ist Standort einer bedeutenden Erdölraffinerie. Selenskyj erklärte, der Angriff habe sich gegen die Raffinerie gerichtet. Die ukrainischen Drohnenkräfte - eine Teilstreitkraft der Armee - erklärten, auf dem Gelände der Raffinerie sei ein Großbrand ausgebrochen.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Stadt Unetscha in der Region Brjansk wurden nach Angaben der russischen Bahn drei Beschäftigte getötet. Eine Rangierlokomotive sei am Bahnhof getroffen worden, erklärte der Bahnbetreiber in Onlinediensten. Unetscha liegt nahe der Grenze zur Ukraine und zu Belarus.
Die von den USA angeführten diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Konflikts befinden sich seit Monaten in der Sackgasse. Seit Ende Februar wird die Aufmerksamkeit Washingtons durch den Krieg gegen den Iran gebunden.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte kritisierte derweil die ungleiche Verteilung bei den Ukraine-Hilfen innerhalb der Allianz. Viele der 32 Länder gäben "nicht genug für die Unterstützung der Ukraine aus", sagte er vor einem zweitägigen Treffen der Nato-Außenminister im schwedischen Helsingborg. Als positives Beispiel nannte Rutte unter anderem Deutschland. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) will bei dem Treffen nach eigenen Angaben die Diskussion um weitere Ukraine-Hilfen voranbringen und dazu "konkrete" Vorschläge machen.
G.P.Martin--AT