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Sozialist Seguro liegt nach Präsidenten-Stichwahl in Portugal vorn
Der gemäßigte Sozialist António José Seguro hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Portugal ersten Ergebnissen zufolge deutlich vor dem Rechtspopulisten André Ventura gewonnen. Seguro kam nach Auszählung fast aller Stimmzettel am Sonntagabend auf 66 Prozent der Stimmen, Ventura auf nur 34 Prozent. Damit dürfte Seguro im März die Nachfolge des seit zehn Jahren amtierenden konservativen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa antreten.
Der 63-jährige Seguro hatte schon die erste Wahlrunde am 18. Januar mit 31,1 Prozent gewonnen. Von 2011 bis 214 war er Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), dessen gemäßigten Flügel er vertritt.
Der 43-jährige Rechtspopulist Ventura, der die rechtsaußen stehenden Chega-Partei gegründet hat und leitet, erreichte in der ersten Runde 23,5 Prozent. In der zweiten Runde wurden ihm schon im Vorfeld kaum Chancen eingeräumt - Seguro lag bereits in den Umfragen mit 67 Prozent klar vorn.
Die Stichwahl wurde allerdings wie schon zuvor der Wahlkampf durch widrige Wetterbedingen beeinträchtigt: Portugal wurde am Wochenende von dem Sturmtief "Marta" heimgesucht - nachdem in den vergangenen Tagen bereits das Tief "Leonardo" heftige Winde, massive Regenfälle und Überschwemmungen mit sich gebracht hatte. Am Samstag hatten die Behörden ein Todesopfer durch das neue Sturmtief gemeldet. In der Nacht zum Sonntag hatte sich das Wetter aber etwas gebessert.
Eine Forderung Venturas, die Wahl wegen der Unwetter zu verschieben, wurde abgelehnt. Nach Angaben der Wahlbehörde des Landes erlaubt das Gesetz keine landesweite Verschiebung eines Urnengangs. Nur in rund 20 Wahlkreisen, die am stärksten von den Unwetterschäden betroffen sind, wurde die Abstimmung um eine Woche verschoben.
Seguro hatte Ventura beim Wahlkampfabschluss am Freitag vorworfen, "alles zu tun, um die Portugiesen von der Stimmabgabe abzuhalten". In seinem Wahllokal in Caldas da Rainha nördlich von Lissabon sagte er am Sonntag: "Ich appelliere an die Portugiesen, zur Wahl zu kommen."
Seit 1986 war in Portugal keine Stichwahl zur Wahl des Staatsoberhauptes mehr nötig gewesen. Der Präsident hat in Portugal keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen.
Der rechtsgerichtete Regierungschef Luís Montenegro hatte keine Wahlempfehlung für die Stichwahl abgegeben. Montenegro führt eine Minderheitsregierung an, die immer wieder auf die Unterstützung der Chega-Partei angewiesen ist, um ihre Vorhaben durchzusetzen.
Während Ventura mit dem Versprechen angetreten war, mit den seit fünf Jahrzehnten in Portugal regierenden Parteien zu brechen, positionierte sich Seguro als Kandidat der Einheit. Er warnte im Wahlkampf vor einem "Albtraum", sollte sein Rivale gewinnen.
W.Nelson--AT