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Staaten ringen um Einigung bei letzter Verhandlungsrunde für UN-Plastikabkommen
Vertreter aus 184 Staaten haben am Donnerstag in Genf in einer letzten Verhandlungsrunde um eine Einigung auf ein weltweit gültiges Abkommen zur Vermeidung von Plastikmüll gerungen. Für den Nachmittag war eine weitere Plenarsitzung angesetzt. Angesichts verhärteter Fronten zwischen erdölproduzierenden Staaten auf der einen und Vertretern etwa aus der EU oder Lateinamerika auf der anderen Seite schien ein Kompromiss in Genf nicht mehr wahrscheinlich. Seit drei Jahren versucht die Staatengemeinschaft vergeblich, sich auf das erste internationale Abkommen zu dem globalen Umweltproblem zu einigen.
Der Vorsitzende der Verhandlungen, Luis Vayas Valdivieso, hatte bis in die Nacht zum Donnerstag Gespräche mit den Vertretern der regionalen Delegationen geführt. Am Donnerstagvormittag trafen sich die Delegationen sowohl der erdölproduzierenden Staaten als auch der selbsternannten "ambitionierten" Staaten aus der EU und Lateinamerika zu separaten Gesprächen.
Am Mittwoch war der jüngste Entwurf des Vorsitzenden von allen Seiten abgeschmettert worden. Unter anderem die Delegationen der EU, Panamas, Chiles und Mexikos bezeichneten den Entwurf wegen fehlender verbindlicher Auflagen als "inakzeptabel". Die erdölproduzierenden Staaten wiederum sahen viele ihrer roten Linien überschritten.
Der Vertreter der Denkfabrik The Common Initiative, Aleksandar Rankovic, erwartete kein ambitioniertes Abkommen in Genf. "Es gibt nur zwei Szenarien: schlecht und sehr schlecht", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Das schlechte Szenario ist, dass die Länder ein sehr schlechtes Abkommen verabschieden, das so aussieht wie der Vorschlag vom Mittwoch aber möglicherweise schlechter." Das sehr schlechte Szenario sei, dass sich die Vertreter überhaupt nicht einigen.
Zum offiziell letzten Verhandlungstag waren auch mehrere Minister nach Genf gereist. Frankreichs Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher hielt es für "möglich, einen Text über zehn Seiten zu verfassen, der alle wichtigen Punkte beinhaltet".
Umweltorganisationen warnten vor den Konsequenzen, die ein Scheitern der Verhandlungen nach sich ziehen würde. "Die Folgen eines verwässerten Kompromisses sind für Menschen und die Natur überall in der Welt enorm", erklärte der WWF. Der Leiter der Greenpeace-Delegation in Genf, Graham Forbes, rief die anwesenden Minister auf, "die Ambitionen, die sie versprochen haben", aufrechtzuerhalten.
Die Verhandlungen in Genf folgen auf die gescheiterten Gespräche im südkoreanische Busan vom vergangenen Dezember. Diese Gespräche hätten eigentlich bereits die letzte Runde der seit drei Jahren andauernden Verhandlungen für ein Abkommen gegen Plastikmüll sein sollen. Bei der zehntägigen Konferenz in Genf hatten die Unterhändler nun auf einen Durchbruch gehofft.
Plastikmüll sorgt weltweit für massive Umweltverschmutzungen. Mikropartikel des Kunststoffabfalls treten auch im menschlichen Körper auf. Derzeit werden jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen Plastik produziert, die Hälfte davon für Einwegprodukte. Weniger als zehn Prozent des Plastikmülls wird recycelt. Bis 2060 könnte sich die Plastikproduktion Schätzungen zufolge verdreifachen.
Sieben Länder sind weltweit für die Produktion von zwei Dritteln der vier am weitesten verbreiteten Arten von Plastik verantwortlich. China führt dabei mit weitem Abstand: Das Land stellt so viel Plastik her wie die sechs nächstgrößten Produzenten. Auf Platz zwei folgen die USA. Deutschland belegt Platz sieben.
T.Sanchez--AT