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Israelische Armee geht nach Luftangriffen im Gazastreifen auch mit Bodentruppen vor
Israel hat sein militärisches Vorgehen im Gazastreifen wieder verschärft. Nach der Wiederaufnahme von Luftangriffen am Vortag startete die Armee am Mittwoch nach eigenen Angaben "gezielte Bodeneinsätze" im Zentrum und im Süden des Palästinensergebiets und übernahm erneut die Kontrolle über den sogenannten Netzarim-Korridor, der den Küstenstreifen in zwei Hälften unterteilt. Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas sprach von mindestens 436 Toten seit Wiederaufnahme der Angriffe. International wurde Kritik an der israelischen Regierung laut. In Israel selbst protestierten tausende Menschen gegen die Regierung.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz richtete eine "letzte Warnung" an die Bevölkerung des Gazastreifens. "Wenn nicht alle israelischen Geiseln freigelassen werden und die Hamas nicht vollständig aus Gaza vertrieben wird, wird Israel Maßnahmen ergreifen, wie sie bisher noch nie gesehen wurden", erklärte er.
Zum erneuten Einsatz von Bodentruppen im Gazastreifen erklärte die israelische Armee, Ziel sei die Einrichtung einer "Teil-Pufferzone" zwischen dem Süden und Norden des Küstenstreifens. Die Armee rief die Bewohner des Gazastreifens auf, als "Kampfgebiete" ausgewiesene Bereiche im Norden und Süden zu verlassen und sich in den Westen von Gaza-Stadt und nach Chan Junis zu begeben. Im Norden des Gazastreifens begaben sich seit Kriegsbeginn bereits mehrfach vertriebene Familien erneut mit ihren Habseligkeiten auf die Flucht.
Israel hatte am Dienstag die massivsten Luftangriffe im Gazastreifen seit Inkrafttreten der Waffenruhe vor zwei Monaten geflogen. Am Mittwoch meldete der von der Hamas kontrollierte Zivilschutz weitere Angriffe. Insgesamt wurden laut der Behörde seit Beginn der erneuten Angriffe mindestens 436 Menschen getötet.
Am Dienstag hatte die Hamas-Behörde von 400 getöteten Menschen gesprochen. Am Mittwoch nannte sie zunächst die Zahl von 970 Toten, zog diese Zahl später aber zurück und sprach von einem "technischen Fehler".
Palästinensischen Angaben zufolge wurde bei Angriffen zudem ein ausländischer UN-Mitarbeiter getötet. Das Gesundheitsministerium der Hamas erklärte, fünf weitere ausländische UN-Beschäftigte seien in ein Krankenhaus in Deir al-Balah eingeliefert worden. Die israelische Armee dementierte Angriffe auf den UN-Standort in Deir al-Balah.
Die israelische Regierung hatte die Wiederaufnahme der Angriffe am Dienstag als eine Reaktion auf "die wiederholte Weigerung der Hamas" bezeichnet, "unsere Geiseln freizulassen".
Die Hamas erklärte ihrerseits, sie habe "die Tür zu Verhandlungen nicht geschlossen". Ein ranghoher Vertreter der Palästinenserorganisation sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Hamas verlange, "dass (Israel) gezwungen wird, sofort (die Angriffe) einzustellen und die zweite Phase der Verhandlungen zu beginnen". Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu entgegnete, sämtliche Verhandlungen würden künftig "unter Beschuss" stattfinden.
Die erste Phase der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas war am 1. März ausgelaufen, eine Einigung über die zweite Phase konnte bisher nicht erzielt werden. Seit Anfang März hatte Israel fast jeden Tag Hamas-Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die ab dem 19. Januar geltende Waffenruhe hielt dennoch weitgehend.
In der ersten Phase hatte die Hamas 33 von ihr als Geiseln verschleppte Menschen an Israel zurückgegeben, darunter acht Leichen. 58 Geiseln befinden sich noch in Gefangenschaft. 34 von ihnen sollen nach Angaben der israelischen Armee tot sein.
Die Wiederaufnahme der Angriffe löste international scharfe Kritik aus. Die EU-Außenbeauftragte Kallas erklärte, sie habe den israelischen Außenminister Gideon Saar gefragt: "Warum tut ihr das?".
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte vor ihrem Abflug zu einem Besuch im Libanon, "das Ende der Waffenruhe in Gaza durch schwere israelische Kämpfe" zerschlage die Hoffnung vieler Israelis und Palästinenser, dass "das Leid auf allen Seiten endlich ein Ende nehmen kann".
Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, eine militärische Lösung sei nicht möglich. Er forderte ein Ende der Kämpfe und die Wiederaufnahme von Verhandlungen. Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich "zutiefst besorgt" angesichts der jüngsten Luftangriffe. Der jordanische König Abdullah II. nannte die israelischen Angriffe einen "extrem gefährlichen Schritt".
In Jerusalem versammelten sich mehrere tausend Menschen, um gegen die Politik Netanjahus zu protestieren. Die Teilnehmer warfen dem Ministerpräsidenten einen demokratiefeindlichen Kurs vor sowie die Fortsetzung des Krieges im Gazastreifen ohne Rücksicht auf die dort immer noch festgehaltenen israelischen Geiseln.
Die Regierung Netanjahu stimmte unterdessen der Rückkehr des rechtsextremen Politikers Itamar Ben Gvir als Minister für nationale Sicherheit in die Regierung zu. Ben Gvir und seine Partei waren aus Protest gegen das zwischen Israel und der Hamas geschlossene Waffenruhe-Abkommen für den Gazastreifen am 19. Januar aus der Regierung ausgetreten. Ben Gvir hatte das Abkommen als "skandalös" bezeichnet und erklärt, es komme einer "Kapitulation gegenüber der Hamas" gleich.
G.P.Martin--AT