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Nach Trump-Putin-Telefonat: Selenskyj warnt vor Zugeständnissen an Russland
Nach dem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin über eine Waffenruhe in der Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj davor gewarnt, Russland in den Verhandlungen zu weit entgegenzukommen. Bei der Hilfe für sein Land sollten "keine Zugeständnisse gemacht werden", sagte Selenskyj am Mittwoch. Er führte am Nachmittag seinerseits ein Telefongespräch mit US-Präsident Trump. Russland überzog die Ukraine in der Nacht mit einer weiteren Angriffswelle. Der Kreml warf unterdessen der Ukraine vor, die Verhandlungen mit der US-Seite zu untergraben.
Selenskyj äußerte sich bei einem Besuch in Finnland und bezog sich auf die von Putin gegenüber Trump geäußerte Forderung, die Waffenlieferungen an die Ukraine müssten eingestellt werden. Er denke, dass "die Hilfe für die Ukraine im Gegenteil verstärkt werden sollte", sagte Selenskyj.
Der ukrainische Präsident führte am Nachmittag zudem ein Gespräch mit Trump, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte. Schon vor dem Telefonat hatte Selenskyj erklärte, die beiden würden "die nächsten Etappen diskutieren".
Trump und Putin hatten am Dienstagnachmittag miteinander telefoniert und über den Krieg in der Ukraine gesprochen. Putin sagte darin laut Kreml, eine 30-tägige Aussetzung der Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur "sofort" umsetzen zu wollen. Trump nannte das Telefonat "gut und produktiv".
Selenskyj sagte zu dem von Putin zugesagten Stopp der Angriffe auf die Energie-Infrastruktur: "Wenn die Russen unsere Ziele nicht angreifen, werden wir ihre Ziele bestimmt nicht angreifen."
In Moskau betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass Putins Ankündigung ausschließlich die Energie-Infrastruktur betreffe. Damit widersprach er dem US-Sondergesandten Steve Witkoff, der am Dienstag von einem angekündigten russischen Stopp der Angriffe auf "Infrastruktur im Allgemeinen" gesprochen hatte.
Die Gespräche über eine Waffenruhe sollen nach US-Angaben am Sonntag in Saudi-Arabien weitergehen. Die Verhandlungen sollen laut Witkoff erneut in der Hafenstadt Dschidda stattfinden, wo sich zuletzt bereits Unterhändler der USA und der Ukraine getroffen hatten. Wer an den Gesprächen neben US-Außenminister Marco Rubio und dem Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz teilnehmen soll, blieb offen.
Kreml-Sprecher Peskow sagte zu den nächsten Gesprächsrunden zwischen Russland und den USA, hierüber würden am Donnerstag und Freitag weitere Vereinbarungen zwischen beiden Seiten getroffen.
Peskow warf zudem der Ukraine vor, die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung der Kämpfe zu untergraben. Die ukrainische Armee habe versucht, "unsere Energie-Infrastruktur anzugreifen". Das russische Verteidigungsministerium prangerte einen "gezielten" ukrainischen Angriff auf ein Erdöllager des Landes an.
Wenige Stunden nach dem Telefonat zwischen Putin und Trump hatte Russland die Ukraine in der Nacht auf Mittwoch mit einer weiteren Angriffswelle überzogen. Nach ukrainischen Angaben wurden sechs Raketen und 145 Drohnen abgefeuert. Bei einem Angriff auf ein Wohnhaus in der Region Sumy wurde demnach ein Mensch getötet, drei weitere Menschen wurden verletzt. Zudem wurden laut Verteidigungsministerium zwei Krankenhäuser zerstört.
Laut der ukrainischen Eisenbahngesellschaft wurde in der Region Dnipropetrowsk im Zentrum des Landes auch eine Einrichtung der Energie-Infrastruktur von Drohnen getroffen.
Russland wiederum meldete Feuer in einem Öl-Lager in der Region Krasnodar im Südwesten des Landes infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs.
Am Mittwoch tauschten die Ukraine und Russland nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau insgesamt 372 Kriegsgefangene aus. Beide hätten im Rahmen eines von den Vereinigten Arabischen Emiraten vermittelten und zwischen Trump und Putin vereinbarten Abkommens der anderen Seite jeweils 175 Gefangene übergeben, die russische Armee habe darüber hinaus als "Geste des guten Willens" 22 schwer verletzte Kriegsgefangene übergeben.
Die westlichen Verbündeten der Ukraine reagierten überwiegend zurückhaltend auf das Gespräch zwischen Trump und Putin. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einer "Nullnummer" und warf Putin vor, "ein Spiel" zu spielen. Die französische Regierungssprecherin Sophie Primas sagte in Paris, Putin habe "Bedingungen vorgelegt, die nicht realistisch erscheinen", insbesondere den Stopp der Hilfe für die Ukraine.
Der britische Regierungschef Keir Starmer sprach zwar von einem "Fortschritt", bekräftigte aber das Versprechen, Kiew "so lange wie möglich" zu unterstützen, um eine weitere "illegale Invasion" durch Russland zu verhindern.
Wesentlicher positiver äußerte sich das Russland politisch nahestehende China. "Wir begrüßen alle Bemühungen um einen Waffenstillstand und betrachten ihn als einen notwendigen Schritt zur Erreichung des Friedens", sagte in Peking Außenministeriumssprecherin Mao Ning.
In Brüssel rief EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Mitgliedsstaaten auf, "dringend" den von ihr vorgeschlagenen Plan zur Steigerung der Verteidigungsausgaben zu beschließen, mit dem unter anderem 150 Milliarden Euro an EU-Mitteln für die Aufrüstung zur Verfügung gestellt werden sollen. Über die Pläne soll ab Donnerstag der EU-Gipfel beraten.
W.Stewart--AT