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Studie: Bei Menschen mit Migrationshintergrund hat SPD höchstes Wählerpotenzial
Bei Menschen mit Migrationshintergrund hat die SPD das höchste, die AfD das geringste Wählerinnen- und Wählerpotenzial. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag vorgestellte Studie des Deutschen Zentrums für Integration- und Migrationsforschung (DeZIM). Demnach hat grundsätzlich jede Partei bei Menschen mit Migrationshintergrund ein solches Potenzial - es ist jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt.
Datenquelle für die Studie ist das DeZIM.panel, für das von Dezember 2023 bis März 2024 2689 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund befragt wurden. Beim Wählerinnen- und Wählerpotenzial handelt es sich dabei nicht um die "Sonntagsfrage" ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?"). Vielmehr wurden die Befragten gebeten, anzugeben, wie wahrscheinlich es ist, dass sie einer Partei ihre Stimme geben würden.
Dafür stand eine Skala von 1 ("würde Partei mit Sicherheit nicht wählen") bis 7 ("würde Partei mit Sicherheit wählen") zur Verfügung. Die Forschenden verglichen dann die Werte zwischen Menschen ohne Migrationshintergrund und Gruppen mit unterschiedlicher Einwanderungsgeschichte.
Bei Menschen aus der Türkei oder dem arabischen Raum sowie der EU hat laut Studie die SPD das höchste Wahlpotenzial, bei jenen aus der ehemaligen Sowjetunion die Union. Am schlechtesten schneidet in allen drei Herkunftsgruppen die AfD ab. Generell bestehe jedoch in allen Herkunftsgruppen ein Potenzial an Wählerinnen und Wählern, betonte die Ko-Autorin der Studie Friederike Römer. "Aus der Herkunftsregion kann keine eindeutige Parteipräferenz hergeleitet werden".
Analysiert wurde auch die für die Befragten drängendsten politischen Probleme. "Wirtschaft und Inflation ist das wichtigste Thema - über alle Gruppen hinweg", sagte Römer bei der Studienvorstellung. Sowohl Menschen ohne Migrationshintergrund als auch jene aus der Türkei/dem arabischen Raum, der EU sowie der ehemaligen Sowjetunion nannten Wirtschaft und Inflation an erster Stelle.
Als zweitwichtigstes Problem bezeichnet Menschen aus der Türkei/dem arabischen Raum sowie der ehemaligen Sowjetunion den sozialen Zusammenhalt. Für die ohne Migrationshintergrund und jene mit EU-Hintergrund lag das Thema Migration an zweiter Stelle.
Eine weitere Erkenntnis der Studie: Menschen mit Migrationshintergrund glauben seltener als jene ohne entsprechenden Hintergrund, dass die Parteien die wichtigsten politischen Probleme lösen können. "Die Parteien werden tendenziell als weniger kompetent wahrgenommen", so Römer. Die Forschenden empfehlen in der Studie den Parteien deshalb, die vielfältigen Problemlagen von Menschen mit Migrationshintergrund ernst zu nehmen und gezielt zu thematisieren.
Dem Mediendienst Integration zufolge haben rund 7,1 Millionen der Wahlberechtigten in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte – das heißt, sie selbst oder beide Eltern sind zugewandert. Das sind rund 12 Prozent aller Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl.
Von den 7,1 Millionen haben demnach zwei Millionen Menschen eine Einwanderungsgeschichte aus der EU, rund 2,3 Millionen eine postsowjetische, sind also Spätaussiedler und ihre Nachkommen. Türkische Wurzeln haben rund eine Million Menschen.
W.Nelson--AT