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Südkoreas entmachteter und verhafteter Präsident Yoon verweigert erneut Aussage
Der entmachtete und verhaftete südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol hat am Freitag erneut die Aussage verweigert. Yoon habe sich zum zweiten Mal in Folge geweigert, vor den Ermittlern des Büros für Korruptionsermittlungen (CIO) zu erscheinen, sagte sein Anwalt Yoon Kab Keun der Nachrichtenagentur AFP. Das CIO hatte Yoon für Freitag um 10.00 Uhr (Ortszeit, 02.00 Uhr MEZ) vorgeladen, die Behörde ließ Anfragen zu der geplanten Befragung des entmachteten Staatschefs zunächst unbeantwortet.
Ein weiterer Anwalt Yoons, Seok Dong Hyeon, sagte vor Journalisten, sein Mandant habe den Ermittlern bereits seinen Standpunkt dargelegt und sehe daher keinen Grund, deren Fragen zu beantworten.
Yoon war am Mittwochmorgen festgenommen worden, Grundlage war ein Haftbefehl in Zusammenhang mit der kurzzeitigen Verhängung des Kriegsrechts durch ihn Anfang Dezember. Der Haftbefehl läuft im Laufe des Freitags aus, die Ermittler des CIO dürften im Laufe des Tages eine Verlängerung um 20 Tage beantragen.
Die Behörden ermitteln wegen Aufruhrs gegen Yoon. Er ist das erste amtierende Staatsoberhaupt Südkoreas, das in Haft genommen wurde. In einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft hatte Yoon anlässlich seiner Verhaftung erklärt, dass er sich entschieden habe, sich der Befragung zu unterziehen, um ein "Blutvergießen" zu vermeiden.
In einem später im Onlinedienst Facebook veröffentlichten Beitrag, den Yoon nach eigenen Angaben vor seiner Verhaftung verfasst hatte, wiederholte er seine Behauptungen über Wahlbetrug und sprach mit Anspielung auf Nordkorea von "feindlichen" Nationen, die das Land angriffen.
Yoon hatte Südkorea Anfang Dezember mit der kurzzeitigen Ausrufung des Kriegsrechts in eine politische Krise gestürzt. Er hatte in einem Haushaltsstreit von der Maßnahme Gebrauch gemacht und damit das In- und Ausland aufgeschreckt. Zehntausende Menschen gingen in der Folge gegen Yoon und für den Erhalt der Demokratie in Südkorea auf die Straße, aber auch Unterstützer Yoons demonstrierten.
Das Parlament sprach sich für eine Absetzung des Präsidenten aus, über die das Verfassungsgericht noch abschließend entscheiden muss. Das Verfahren begann am Dienstag.
H.Gonzales--AT