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Energieanlagen und Waffenlager bei ukrainischen Angriffen auf Russland getroffen
Die Ukraine hat am Dienstag eigenen Angaben zufolge mehrere russische, teils weit entfernte Regionen mit Drohnen und Raketen angegriffen und dabei Energie- und Industrieanlagen ins Visier genommen. In der Nacht habe es in Russland Explosionen in "Chemiewerken, Ölraffinerien und Lagerhäusern" gegeben, hieß es aus Kreisen des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Getroffen worden seien Anlagen des "russischen militärisch-industriellen Komplexes". Laut der russischen Armee kamen dabei auch von den USA und Großbritannien bereitgestellte Waffen zum Einsatz.
Der ukrainische Generalstab erklärte in Onlinediensten, es handele sich um die "massivste" nächtliche Angriffswelle gegen militärische Ziele in Russland seit Beginn des Krieges vor fast drei Jahren. Die ukrainischen Streitkräfte hätten Ziele in einer Entfernung von 200 bis 1100 Kilometern auf russischem Territorium attackiert, hieß es.
In der südöstlichen Region Tatarstan geriet nach Angaben der Regionalregierung ein Gastank nach einem Drohnenangriff in Brand. Der Angriff richtete sich laut Lokalmedien gegen ein Flüssiggaslager in der Nähe einer Chemiefabrik. Fotos zeigten Flammen und eine schwarze Rauchwolke, die nahe der Stadt Kasan aufstiegen. Verletzte gab es den Behörden zufolge nicht.
In der 500 Kilometer südwestlich von Kasan gelegenen Region Saratow wurden laut dem SBU eine Ölraffinerie und ein Waffenlager getroffen. Regionalgouverneur Roman Busargin sprach von einem "massiven Drohnenangriff" auf zwei Industrieanlagen. In der Folge der Angriffe blieben die Schulen in den Städten Saratow und Engels geschlossen. Bereits am 8. Januar hatte ein Drohnenangriff auf ein Erdöllager in Engels ein riesiges Feuer ausgelöst, das tagelang nicht gelöscht werden konnte und bei dem zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen.
Angesichts der Angriffe stellten laut russischen Behörden neun Flughäfen im Zentrum und im Westen Russlands vorübergehend den Betrieb ein.
Laut dem Chef des ukrainischen Zentrums für die Bekämpfung von Desinformation, Andrij Kowalenko, wurden insgesamt fünf russische Städte angegriffen, darunter Engels, Saratow, Kasan, Brjansk und Tula. Ziele waren demnach Ölraffinerien, Öldepots, Waffenfabriken und Luftabwehrsysteme.
Bei einem Raketenangriff auf die Grenzregion Brjansk wurde nach Angaben der ukrainischen Armee eine Chemiefabrik getroffen. Die Drohnen hätten zunächst die russische Luftabwehr "erfolgreich" abgelenkt und damit den Weg freigemacht für die Raketen, "welche die Hauptziele trafen", hieß es in einer Erklärung. Demnach stellt die Fabrik in der Stadt Selzo Treibstoff für Raketen und Munition her.
Russland warf der Ukraine vor, bei dem Angriff in Brjansk westliche Raketen eingesetzt zu haben. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, "sechs ATACMS-Raketen aus den USA und sechs luftgestützte Storm Shadow-Marschflugkörper aus Großbritannien" abgeschossen zu haben.
Dagegen hieß es aus Kreisen des ukrainischen Geheimdienstes SBU, die Raketen seien "direkt auf das Gelände" geschossen worden und hätten "ein großes Feuer" ausgelöst.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Monat damit gedroht, Russlands neue ballistische Hyperschallrakete Oreschnik auf das Zentrum von Kiew abzufeuern, sollte die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Territorium mit von den USA gelieferten ATACMS-Raketen nicht einstellen.
Nach Einschätzung des ukrainischen Militärbloggers Nikolajewski Wanjok gehörten die nächtlichen ukrainischen Angriffe auf Russland zu den effektivsten seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Es habe "schmerzhafte Schläge auf feindliche militärisch-industrielle Komplexe und Energieinfrastrukturen an Orten gegeben, an denen normalerweise nicht viele Angriffe erfolgen", schrieb er im Onlinedienst Telegram.
Derweil gab die ukrainische Luftwaffe an, 58 aus Russland abgefeuerte Drohnen iranischer Bauart abgeschossen zu haben, 21 weitere seien durch elektronische Abfangsysteme zerstört worden. In der Region Charkiw wurde den Behörden zufolge ein 52-jähriger Mann durch russisches Artilleriefeuer getötet.
Die Verwaltung von Pokrowsk in der Region Donezk im Osten des Landes rief die verbliebenen Einwohner erneut auf, die Stadt zu verlassen. In der Region rücken die russischen Streitkräfte derzeit stetig vor. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, dass dort zwei ukrainische Dörfer von der Ukraine zurückerobert worden seien.
Kiew und Moskau hatten ihre Angriffe in den vergangenen Monaten intensiviert. Offensichtlich wollen beide Seiten ihre Position stärken, bevor Donald Trump am 20. Januar als US-Präsident ins Weiße Haus zurückkehrt.
Als Vergeltung für russische Angriffe greift die Ukraine regelmäßig militärische Ziele und vom russischen Militär genutzte Standorte an, darunter auch immer wieder Erdölanlagen.
H.Thompson--AT