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Dutzende Tote bei israelischen Angriffen im Libanon
Bei einer Reihe israelischer Angriffe im Libanon sind nach den dortigen Behörden am Wochenende Dutzende Menschen getötet worden. Allein am Sonntag habe es bei Beschuss nördlich von Beirut sowie im Osten und Süden des Landes mindestens 41 Tote gegeben, erklärte das libanesische Gesundheitsministerium. Die israelische Regierung bekannte sich derweil erstmals zur Anordnung der Explosionen von Pagern der libanesischen Hisbollah-Miliz vor knapp zwei Monaten.
Laut seinem Sprecher Omer Dostri bestätigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der wöchentlichen Kabinettssitzung, "dass er den Pager-Einsatz im Libanon bewilligt" habe. Es war das erste Mal, dass die israelische Regierung sich öffentlich zu der Urheberschaft der Angriffe bekannte, die die Handschrift des Geheimdienstes Mossad trugen.
Bei der Explosion hunderter Pager der pro-iranischen Hisbollah im Libanon am 17. September waren dutzende Menschen getötet und mehrere tausend weitere verletzt worden. Am 18. September gab es eine weitere Angriffswelle, bei der hunderte Walkie-Talkie-Funksprechgeräte von Hisbollah-Kämpfern explodierten.
Insgesamt waren 39 Menschen getötet und fast 3000 weitere verletzt worden. Die mit der radikalislamischen Hamas verbündete Hisbollah drohte Israel daraufhin mit einer "neuen Phase der Abrechnung". Auf die Explosionen folgten massive Angriffe beider Seiten. Bei israelischen Angriffen wurden mehrere Hisbollah-Anführer getötet. Am 1. Oktober griff der Iran Israel zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Raketen an. Israel reagierte Ende Oktober mit einem Luftangriff auf iranische Militärziele.
Die Hisbollah-Miliz im Libanon hatte einen Tag nach dem Überfall der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 mit regelmäßigen Raketenangriffen eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Als Reaktion beschoss Israel Ziele im Nachbarland. Seit einigen Wochen hat die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Libanon deutlich verstärkt und zudem Ende September auch Bodeneinsätze gegen Stellungen der pro-iranischen Miliz im Südlibanon begonnen.
Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden am Samstag bei israelischen Angriffen im Süden und Osten des Landes mehr als 30 Menschen getötet. Bei erneuten Angriffen am Sonntag starben demnach mindestens 41 Menschen getötet.
Den Angaben zufolge griff Israel unter anderem Ziele in der östlichen Region Baalbek, eine Hisbollah-Hochburg, an. Laut Gesundheitsministerium starben dort insgesamt zwölf Menschen sowie drei weitere im Dorf Kasr in der östlichen Region Hermel.
Zuvor hatte das libanesische Gesundheitsministerium bereits über einen israelischen Angriff auf die Ortschaft Almat nördlich von Beirut informiert. Dabei seien mindestens 23 Menschen, unter ihnen sieben Kinder, getötet worden. Zudem gab es laut Gesundheitsministerium sechs Verletzte.
Der Angriff war nach Angaben aus Sicherheitskreisen erfolgt, kurz nachdem ein Mitglied der pro-iranischen Hisbollah-Miliz eingetroffen war, um Vertriebene zu besuchen. Er starb demnach ebenfalls.
Auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP war zu sehen, wie sich Rettungskräfte auf der Suche nach Verschütteten mit bloßen Händen durch die Trümmer des völlig zerstörten Gebäudes gruben.
Wie ein AFP-Korrespondent vor Ort berichtete, beluden Dutzende Menschen Autos mit ihren Habseligkeiten und flohen aus dem schiitischen Dorf, das in einem mehrheitlich von Christen bewohnten Gebiet des Libanons liegt. Im Online-Netzwerk Facebook schrieb ein Mann namens Ali Haidar, das zerstörte Gebäude habe seinem Großvater gehört und 35 Vertriebene aus der ostlibanesischen Region Baalbek beherbergt, vor allem "Frauen und Kinder".
Bei einem israelischen Angriff im südlibanesischen Adlun wurden am Sonntag laut Gesundheitsministerium zudem drei Rettungskräfte einer Organisation mit Verbindungen zur Hisbollah getötet.
Die israelische Armee erklärte, sie habe einen von der Hisbollah genutzten Tunnel unter einem Friedhof in der Region zerstört. Das israelische Bildungsministerium teilte derweil mit, im Norden Israels seien seit Sonntag einige Schulen wieder geöffnet, die wegen der Bombardierungen durch die Hisbollah-Miliz geschlossen worden waren.
Im Nachbarland Syrien griff die israelische Armee laut Aktivisten ein Wohnhaus im Gebiet von Sajjida Seinab im Süden von Damaskus an. Dabei wurden neun Menschen getötet, darunter auch ein Hisbollah-Kommandeur, wie der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der AFP sagte. Zudem seien eine Mutter und ihre drei Kinder getötet worden. 14 weitere Menschen seien verletzt worden. Zudem würden Menschen vermisst.
Der getötete Hisbollah-Kommandeur war laut Rahman Libanese und für die Miliz in Syrien im Einsatz. In dem Gebäude lebten der Beobachtungsstelle zufolge sowohl Mitglieder der Miliz als auch libanesische Familien.
Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk verschiedener Quellen in Syrien. Die Angaben der Organisation sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.
Am Samstag hatte die israelische Armee laut der Beobachtungsstelle fünf Menschen getötet, darunter vier pro-iranische Kämpfer.
Als Konsequenz auf den Angriff in Syrien vom Sonntag forderte dessen Verbündeter Iran ein Waffen-Embargo gegen Israel. Außerdem müsse Israel aus den Vereinten Nationen ausgeschlossen werden, erklärte Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei in Teheran.
A.Ruiz--AT