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Nach Anschlag auf Trump: Biden ruft zu Mäßigung in politischer Auseinandersetzung auf
Nach dem versuchten Mordanschlag auf Donald Trump hat US-Präsident Joe Biden zur Mäßigung in der politischen Auseinandersetzung aufgerufen. "Wir alle haben eine Verantwortung, dies zu tun", sagte Biden am Sonntag (Ortszeit) in einer seiner seltenen Ansprachen im Oval Office des Weißen Hauses. Trump traf derweil zum Parteitag seiner Republikaner in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin ein, bei dem er sich offiziell zum Präsidentschaftskandidaten küren lassen will. Der Anschlag auf den Ex-Präsidenten dürfte den Wahlkampf nachhaltig beeinflussen.
Die politische Debatte in den USA sei "sehr aufgeheizt", es sei nötig, "die Temperatur zu senken", sagte Biden in seiner im Fernsehen übertragenen Ansprache. Die Politik dürfe "nie wortwörtlich ein Schlachtfeld" sein.
Es war erst Bidens dritte Rede im Oval Office seit seiner Amtsübernahme. Darin verwies er auch auf die Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar 2021. Anhänger Trumps hatten damit auf dessen Wahlniederlage bei der Präsidentschaftswahl reagiert. "Wir können es nicht zulassen, dass diese Gewalt normalisiert wird", appellierte Biden.
Trump hatte am Samstag (Ortszeit) um Haaresbreite einen Anschlag bei einer Wahlkampfkundgebung im Bundesstaat Pennsylvania überlebt. Der Ex-Präsident wurde angeschossen und dabei leicht am Ohr verletzt. Außer dem mutmaßlichen Schützen wurde auch ein Zuschauer - ein 50-jähriger Feuerwehrmann und Familienvater - getötet, zwei weitere Männer im Publikum wurden schwer verletzt.
"Uns allen steht nun eine Zeit der Prüfung bevor, während die Wahl naht", sagte Biden in seiner Rede. "Egal, wie stark sie sind: "Unsere Überzeugungen dürfen niemals in Gewalt ausarten."
Seine kurze, aber kraftvolle Ansprache im Oval Office hielt Biden ohne größere Pannen. Allerdings ersetzte er in "ballot box", dem englischen Wort für Wahlurne, den vorderen Wortteil "ballot" zwei Mal irrtümlich durch "battle", zu Deutsch "Schlacht". Der 81-jährige Amtsinhaber sieht sich seit seinem desaströsen Auftritt im TV-Duell gegen Trump im vergangenen Monat mit erheblichen Zweifeln an seiner geistigen und körperlichen Fitness konfrontiert.
Biden und Trump wollen bei der Präsidentschaftswahl am 5. November erneut gegeneinander antreten. Nach den Schüssen auf Trump haben einige Republikaner den Vorwurf erhoben, die Demokraten hätten die Tat mit extremer Rhetorik mitverschuldet.
Biden dürfte sich im Wahlkampf nun zunächst zurücknehmen. Der in den Umfragen zurückliegende Präsident hatte zuletzt versucht, mit scharfer Kritik an Trump von eigenen Schwächen abzulenken.
Die Republikaner dürften derweil im Wahlkampf die Darstellung einer politischen Verfolgung Trumps durch Bidens Regierung weiter verbreiten. Dazu bietet auch der am Montag beginnende Nominierungsparteitag Gelegenheit. Trump reiste dazu bereits am Sonntag nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin.
In seinem Onlinedienst Truth Social erklärte Trump dazu, er könne es nicht zulassen, dass ein "potenzieller Mörder" eine Änderung seiner Terminplanung erzwinge. Es wird erwartet, dass Trump zum Auftakt der viertägigen Veranstaltung mit zehntausenden Anhängern seinen Vizepräsidenten-Kandidaten verkündet.
Trump hat seine Anhänger angesichts des Anschlags zur Einigkeit aufgerufen: "In diesem Moment ist es wichtiger denn je, dass wir vereint bleiben und dass wir unseren wahren Charakter als Amerikaner zeigen", schrieb der 78-Jährige. Sie sollten "stark und entschlossen" verhindern, "dass das Böse obsiegt".
Die zuständige Koordinatorin des US Secret Service, Audrey Gibson-Cicchino, versicherte, ihre Behörde sei "voll und ganz vorbereitet", um die Sicherheit bei dem Nominierungsparteitag in Milwaukee zu gewährleisten. Nach dem versuchten Mordanschlag auf Trump steht die für den Schutz amtierender und ehemaliger US-Präsidenten zuständige Behörde unter Druck.
So wies die Behörde Vorwürfe als "absolut falsch" zurück, sie habe im Vorfeld von Trumps Auftritt in Pennsylvania dem Ex-Präsidenten zusätzlichen Schutz verweigert. Sie muss sich allerdings Fragen gefallen lassen, wieso der Schütze unbehelligt auf ein rund 150 Meter von Trumps Rednerpult entferntes Dach steigen und von dort schießen konnte.
Laut US-Bundespolizei FBI haben die Ermittler bislang keine "Ideologie" hinter der Tat festgestellt. Medienberichten zufolge war der mutmaßliche Schütze Thomas Matthew Crooks als Wähler der Republikaner registriert, hatte aber auch für eine den Demokraten nahestehende politische Organisation gespendet. Frühere Mitschüler des 20-Jährigen beschrieben Crooks US-Medien zufolge als stillen Jungen, der oft gemobbt worden sei.
Tatwaffe war laut FBI ein legal erworbenes halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-556, das vermutlich von Crooks' Vater gekauft worden war. Im Auto des mutmaßlichen Schützen fanden die Ermittler zudem explosives Material.
A.Williams--AT