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Ukrainischer Armeechef räumt "taktische Erfolge" Moskaus und verschlechterte Lage ein
Der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrsky hat eine "verschlechterte" Lage an der Front und "taktische Erfolge" Russlands eingeräumt. "Die Situation an der Front hat sich verschlechtert", erklärte Syrsky am Sonntag im Onlinedienst Facebook. Die ukrainischen Soldaten hätten sich in einigen Gebieten auf neue Verteidigungslinien weiter westlich "zurückgezogen". Russland hatte zuvor die Einnahme eines weiteren ostukrainischen Dorfes Dorfes rund zehn Kilometer nordwestlich der Stadt Awdijiwka gemeldet.
Russland habe "einen bedeutenden Vorteil an Kräften und Mitteln" und sei so in der Lage gewesen, bei heftigen Kämpfen Fortschritte zu erzielen, fuhr Syrsky fort. Russland habe "taktische Erfolge in einigen Sektoren" errungen und in einigen Gegenden "gelang es unseren Truppen, die taktische Lage zu verbessern".
In seinem täglichen Lagebericht von der Front hatte das russische Verteidigungsministerium erklärt, die russische Armee habe das Dorf Nowobachmutiwka in der Nähe von Awdijiwka "befreit". Die Stadt Awdijiwka in der ostukrainischen Region Donezk hatte Russland im Februar nach langen Kämpfen vollständig unter seine Kontrolle gebracht. Danach hatte die russische Armee weiter schnell an Boden gewonnen, während sich die ukrainische Armee aus Mangel an Munition und an Soldaten in der Defensive befindet.
Nowobachmutiwka befindet sich in der Nähe der Ortschaft Otscherytne, in die die russische Armee diese Woche einmarschiert war. Am Samstag hatte Moskau erklärt, dass es seinen Truppen um Donezk gelungen sei, "tief" in die ukrainischen Verteidigungslinien vorzustoßen.
Syrksy hatte bereits Mitte April erklärt, dass sich die Lage an der Ostfront "bedeutend verschlechtert" habe. Kiew erwartet die Ankunft von US-Waffen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar, von denen es sich eine Stabilisierung der Lage an den ausgedehnten Frontlinien erhofft.
Überdies hatten Russland und die Ukraine am Wochenende erneut gegenseitig Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur verübt. Vier Heizkraftwerke seien bei den "massiven" Angriffen in der Nacht zu Samstag stark beschädigt worden, erklärte der ukrainische Energieversorger DTEK. Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko schrieb im Onlinedienst Facebook von Schäden durch russische Angriffe insbesondere an Energieanlagen in den Regionen Dnipropetowsk, Iwano-Frankiwsk und Lwiw.
Der Stromversorger Ukrenergo erklärte, er habe seine Hauptstromleitung im Westen des Landes vorsorglich gesperrt, und forderte die Bevölkerung erneut zum Stromsparen auf. Zuvor hatte die Armee von "massiven" russischen Angriffen mit mindestens zwei Verletzten berichtet.
Bei weiteren russischen Bombardierungen wurden zwei Menschen getötet und 15 weitere verletzt.
Gleichzeitig meldete die Ukraine einen erfolgreichen Angriff auf zwei Ölraffinerien in Südrussland. In einem groß angelegten nächtlichen Drohnenangriff seien zwei russische Ölraffinerien und ein Militärflugplatz getroffen worden.
Die russischen Behörden hatten zuvor einen Brand in einer Raffinerie in der Stadt Slawjansk-am-Kuban gemeldet. Staatlichen Medien zufolge stellte die Anlage ihre Produktion daraufhin teilweise ein.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte seine Forderung an die westlichen Verbündeten, Kiew zusätzliche Luftabwehrsysteme zur Verfügung zu stellen. Die Partner der Ukraine hätten "alle Möglichkeiten, (uns) dabei zu helfen, jede Rakete und jede Drohne" aus Russland abzuschießen, erklärte er am Samstag. Sein Land müsse so schnell wie möglich weitere Patriot-Luftabwehrsysteme erhalten.
Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drang auf weitere Waffenlieferungen an die Ukraine. "Keine Option ist ohne Risiko, wenn man einen Nachbarn wie Russland hat", sagte der Nato-Chef im "Bericht aus Berlin" der ARD. Die Ukraine habe aber das Recht, sich zu verteidigen – und die westlichen Verbündeten dürften und sollten das attackierte Land dabei unterstützen. Deutschland gehe hierbei "mit gutem Beispiel voran", lobte Stoltenberg.
Angesprochen auf die vehementen Forderungen nach einer Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine sagte Stoltenberg, er wolle einzelnen Verbündeten keine öffentlichen Ratschläge erteilen. Angesichts der Lieferung von ATACMS-Raketen durch die USA ist der Druck auf die Bundesregierung, Taurus zu liefern, zuletzt erneut gewachsen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnte dies am Wochenende jedoch erneut ab.
K.Hill--AT