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Macron und Le Pen gehen einander persönlich an
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen gehen einander auf der Ziellinie des Präsidentschaftswahlkampfs auch persönlich an. "Millionen von Franzosen sind überzeugt, dass die Regierung unter Emmanuel Macron schrecklich autoritär war, dass er allein und brutal regiert hat", sagte Le Pen am Freitag dem Sender BFM. Macron betonte seinerseits, Le Pen sei "auch nicht gerade die Sanftheit in Person".
Während der Wahlkampf vor der ersten Runde am vergangenen Sonntag eher mau verlief, haben die beiden Kandidaten der Stichwahl nun aufgedreht. Macron und Le Pen geben reihenweise Interviews, wobei Fernsehen und Rundfunk verpflichtet sind, ihnen dieselbe Redezeit einzuräumen. Sie besuchen Märkte, lassen sich auf zahllose Selfies mit Anhängern ein und verteidigen bei Großveranstaltungen ihr Programm.
Le Pen rief am Donnerstagabend in Avignon vor 4000 Anhängern dazu auf, einen "Staudamm" gegen eine zweite Amtszeit von Macron zu errichten. Damit eignete sie sich einen Begriff an, der in Frankreich bislang für breite Wählerbündnisse gegen Rechtsextremisten benutzt wurde.
Macron hat in der vergangenen Woche den Kontakt zur Bevölkerung im vernachlässigten Norden und im Elsass gesucht, wo Le Pen und der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon gut abgeschnitten hatten. Außerdem besuchte er eine Fabrik für Windkraftanlagen, ein Wink an grüne Wähler, die in seinem Programm Konzepte für eine Klimapolitik vermissen.
"Macron will aufholen, was er vor der ersten Runde versäumt hat", sagt die Chefin des Meinungsforschungsinstitut Odoxa, Céline Bracq. "Er versucht vor allem, das Image loszuwerden, dass er hochnäsig sei."
Für kommenden Mittwoch ist die einzige Fernsehdebatte zwischen Le Pen und Macron geplant. Bei ihrer TV-Debatte vor fünf Jahren hatte Macron seine Widersacherin auflaufen lassen. Dieses Mal dürfte Le Pen besser vorbereitet sein. Nach den jüngsten Umfragen kann Macron in der Stichwahl mit 53 bis 56 Punkten rechnen, deutlich weniger als bei der vorigen Wahl, die er mit 66 Prozent der Stimmen gewann.
K.Hill--AT