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Selenskyj beklagt nach Angriff auf Tschernihiw mit 17 Toten fehlende Luftabwehr
Im Norden der Ukraine sind bei einem russischen Angriff auf die Stadt Tschernihiw nach ukrainischen Angaben mindestens 17 Menschen getötet worden. Zudem gebe es mindestens 60 Verletzte, darunter drei Kinder, teilten die Rettungsdienste am Mittwoch mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagte erneut ausbleibende Luftabwehr-Lieferungen des Westens. Die Bundesregierung bemühte sich derweil bei den Partnerstaaten um kurzfristige Hilfe für Kiews Luftabwehr.
"Die Such- und Bergungsarbeiten gehen weiter", erklärten die Rettungsdienste. Innenminister Ihor Klymenko zufolge war eine 25-jährige Polizistin unter den Toten.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Tschernihiw, Oleksandr Lomako, wurden 16 Gebäude in der Stadt bei dem Angriff beschädigt. Eine Einrichtung sei direkt getroffen worden, doch hänge diese nicht mit der Stromerzeugung zusammen, sagte Lomako.
"Der Feind hat drei Raketen praktisch direkt aufs Zentrum der Stadt abgefeuert", sagte Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus zu dem Angriff auf Tschernihiw. Nach Angaben der Stadtverwaltung erfolgten die Angriffe auf ein "sehr dicht bewohntes Gebiet". AFP-Reporter sahen, wie Mitarbeiter der Stadt mit einem Kran Trümmer eines achtstöckigen Hotels räumten, das von einem Angriff zerstört wurde.
Tschernihiw liegt knapp 150 Kilometer nördlich von Kiew unweit der Grenze zu Belarus, hunderte Kilometer von der Front entfernt. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 lebten in der Stadt rund 285.000 Menschen.
Russische Truppen hatten die Region zunächst teilweise besetzt. Seit ihrem Rückzug vor rund zwei Jahren blieb sie von Kämpfen weitestgehend verschont. Allerdings wurde Tschernihiw bereits vor dem Angriff am Mittwoch gelegentlich von russischen Langstreckenraketen ins Visier genommen.
Präsident Selenskyj erklärte, der ukrainischen Armee habe die nötige Luftabwehr gefehlt, um die Raketen abzufangen. "Dies wäre nicht passiert, wenn die Ukraine ausreichend Luftabwehr-Ausrüstung erhalten hätte und die Entschlossenheit der Welt, dem russischen Terror Widerstand zu leisten, ausreichend wäre." Auch Außenminister Dmytro Kuleba drängte die Verbündeten zu schneller Hilfe bei der Flugabwehr.
Die Bundesregierung versuchte, bei den Partnerstaaten kurzfristige Lieferungen für die Luftabwehr der Ukraine einzuholen. Es müsse "nochmal ernsthaft geschaut werden, ob noch weitere Systeme verfügbar sind, die der Ukraine schnell zur Verfügung gestellt werden können", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Nötig seien nun "Sofortlieferungen".
Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums haben sich Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit einem "dringenden Appell" an Partnerländer gewandt, "sich hier einzubringen".
Russland greift in seinem Krieg gegen die Ukraine immer wieder auch Städte an. Die Regierung in Kiew wirft Moskau vor, dabei auch bewusst zivile Ziele ins Visier zu nehmen. Dies weist Russland zurück.
Laut einem Bericht der britischen BBC starben während des im Februar 2022 von Moskau begonnenen Angriffskrieges bereits mehr als 50.000 russische Soldaten. Dies gehe aus Recherchen des russischsprachigen BBC-Dienstes und des unabhängigen russischen Medienunternehmens Mediazona hervor. Diese hätten sich auf öffentlich zugängliche Daten wie offizielle Erklärungen und Nachrufe in Medien gestützt.
Offiziell legen beide Seiten keine genauen Zahlen zu den Verlusten in den eigenen Reihen vor. Kiew hatte Ende Februar geschätzt, dass 31.000 ukrainische Militärangehörige in den Kämpfen getötet worden seien. Westliche Armeevertreter und Geheimdienste schätzen die Zahl auf beiden Seiten aber höher ein.
Einen möglichen Ausweg aus dem Krieg soll eine für Mitte Juni in der Schweiz geplante Friedenskonferenz suchen. China dämpfte die Erwartungen an die Konferenz. Es sei noch "viel Arbeit zu erledigen", sagte am Mittwoch ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China nimmt im Ukraine-Krieg nach eigenen Angaben eine neutrale Position ein - Peking wird von westlichen Verbündeten aber auch vorgeworfen, de facto Moskau zu unterstützen.
Am Dienstag hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking gebeten, seinen Einfluss geltend zu machen und in Moskau auf ein Ende des Ukraine-Krieges zu dringen. Er habe mit Xi zudem eine enge Abstimmung im Hinblick auf die geplante Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz vereinbart, sagte der Kanzler.
B.Torres--AT