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Selenskyj beklagt nach russischem Angriff mit 14 Toten fehlende Luftabwehr
Bei einem russischen Angriff auf die Stadt Tschernihiw im Norden der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Zudem seien mindestens 60 Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder, teilte am Mittwoch die Stadtverwaltung mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagte daraufhin ausbleibende Luftabwehr-Lieferungen des Westens. Derweil warnte China vor zu hohen Erwartungen an die geplante Friedenskonferenz zur Ukraine in der Schweiz.
"Der Feind hat drei Raketen praktisch direkt aufs Zentrum der Stadt abgefeuert", sagte Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus zu dem Angriff auf Tschernihiw. "Viele mehrstöckige Gebäude wurden beschädigt, zivile Infrastruktur ist beschädigt. Dutzende Autos wurden zerstört", sagte er im staatlichen Fernsehen. Nach Angaben der Stadtverwaltung erfolgten die Angriffe auf ein "sehr dicht bewohntes Gebiet".
Nach den Worten von Innenminister Ihor Klymenko könnte die Opferzahl noch steigen: "Es befinden sich immer noch Menschen unter den Trümmern. Die Such- und Bergungsarbeiten gehen weiter", schrieb er in Online-Netzwerken. Drei Menschen konnten aus den Trümmern gerettet werden.
Tschernihiw liegt knapp 150 Kilometer nördlich von Kiew unweit der Grenze zu Belarus, hunderte Kilometer von der Front entfernt. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 lebten in der Stadt rund 285.000 Menschen. Russische Truppen hatten die Region zunächst teilweise besetzt. Seit ihrem Rückzug vor rund zwei Jahren blieb sie von Kämpfen weitestgehend verschont. Allerdings wurde Tschernihiw bereits vor dem Angriff am Mittwoch gelegentlich von russischen Langstreckenraketen ins Visier genommen.
Präsident Selenskyj erklärte, der ukrainischen Armee habe die nötige Luftabwehr gefehlt, um die Raketen abzufangen. "Dies wäre nicht passiert, wenn die Ukraine ausreichend Luftabwehr-Ausrüstung erhalten hätte und die Entschlossenheit der Welt, dem russischen Terror Widerstand zu leisten, ausreichend wäre." Auch Außenminister Dmytro Kuleba drängte die Verbündeten zu schneller Hilfe bei der Flugabwehr. "Wir benötigen mindestens sieben weitere Patriot-Batterien, um unsere Städte und die Wirtschaftszentren vor der Zerstörung zu bewahren", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".
Russland greift in seinem Krieg gegen die Ukraine immer wieder auch Städte an. Die Regierung in Kiew wirft Moskau vor, dabei auch bewusst zivile Ziele ins Visier zu nehmen. Dies weist Russland zurück.
Laut einem Bericht der britischen Rundfunkanstalt BBC starben während des im Februar 2022 von Moskau begonnenen Angriffskrieges bereits mehr als 50.000 russische Soldaten. Dies gehe aus Recherchen des russischsprachigen BBC-Dienstes und des unabhängigen russischen Medienunternehmens Mediazona hervor. Sie hätten sich auf öffentlich zugängliche Daten wie offizielle Erklärungen und Nachrufe in Medien gestützt.
Offiziell legen beide Seiten keine genauen Zahlen zu den Verlusten in den eigenen Reihen vor. Kiew hatte Ende Februar geschätzt, dass 31.000 ukrainische Militärangehörige in den Kämpfen getötet worden seien. Westliche Armeevertreter und Geheimdienste schätzen die Zahl auf beiden Seiten aber höher ein.
Einen möglichen Ausweg aus dem verlustreichen Krieg soll eine für Mitte Juni in der Schweiz geplante Friedenskonferenz suchen. In ihrem Vorfeld warnte China aber vor zu hohen Erwartungen. Es sei noch "viel Arbeit zu erledigen", sagte am Mittwoch ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China nimmt im Ukraine-Krieg nach eigenen Angaben eine neutrale Position ein - Peking wird von westlichen Verbündeten aber auch vorgeworfen, de facto Moskau zu unterstützen.
Am Dienstag hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking gebeten, bei Russlands Präsident Wladimir Putin auf ein Ende des Ukraine-Kriegs zu dringen. Er habe mit Xi zudem eine enge Abstimmung im Hinblick auf eine geplante Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz vereinbart, sagte der Kanzler.
A.O.Scott--AT