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US-Militärschiffe zu Bau von Hafen im Gazastreifen aufgebrochen
Für den Bau eines provisorischen Hafens für die Anlieferung zusätzlicher Hilfsgüter für den Gazastreifen sind am Dienstag vier Schiffe der US-Armee in Richtung Mittelmeer aufgebrochen. Beladen mit Ausrüstung und mit rund hundert Soldaten an Bord verließen sie den Stützpunkt Langley-Eustis im US-Bundesstaat Virginia. In rund 30 Tagen sollen sie den Gazastreifen erreichen.
Die neue Anlage werde aus einer Offshore-Plattform für den Umschlag von Hilfsgütern von größeren auf kleinere Schiffe sowie einer Anlegestelle für den Transport an Land bestehen, sagte Brad Hinson, Brigadegeneral der US-Armee. Der Hafen werde "in 60 Tagen" betriebsbereit sein, versicherte er. "Sobald wir voll einsatzfähig sind, werden wir in der Lage sein, jeden Tag bis zu zwei Millionen Mahlzeiten oder zwei Millionen Flaschen Wasser an Land zu bringen."
Nach Angaben von Vertretern der US-Regierung werden für den Bau des Hafens keine US-Soldaten den Gazastreifen betreten, sie werden sich dem Küstenstreifen jedoch nähern müssen. "Ich werde nicht auf die Einzelheiten eingehen, mit wem wir zusammenarbeiten, um den Pier zu verankern, aber wir werden Unterstützung bekommen", sagte Hinson. Seinen Angaben zufolge werden rund 500 US-Soldaten an dem Einsatz teilnehmen.
Auf die Frage, ob der Hafen auch ohne eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas gebaut werde, sagte er: "Wir haben die Absicht, die Anlage in den kommenden 60 Tagen zu errichten." Nach Angaben des Vermittlers Katar sind Israel und die Hamas derzeit noch weit von einer Einigung auf eine Feuerpause entfernt.
Der Krieg im Gazastreifen war durch den brutalen Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden, bei dem nach israelischen Angaben etwa 1160 Menschen getötet sowie rund 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel geht seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, bisher mehr als 31.180 Menschen getötet.
Nach fünf Monaten Krieg ist die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet katastrophal. Laut dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) befinden sich die dort lebenden 2,4 Millionen Menschen am Rande einer Hungersnot. Die USA hatten zuletzt mehrfach Hilfspakete über dem Gazastreifen abgeworfen, was allerdings bei Weitem nicht ausreicht, um den Bedarf der palästinensischen Zivilbevölkerung zu decken.
In einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat warnte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell davor, den Hunger als "Kriegswaffe" zu nutzen. "Diese humanitäre Krise ist keine Naturkatastrophe, keine Überschwemmung oder ein Erdbeben, sie ist menschengemacht", betonte er. Derzeit müssten alternative Wege für die Lieferung von Hilfsgütern gesucht werden, weil der übliche Landweg "künstlich verschlossen" sei, sagte Borrell in Richtung der israelischen Regierung.
Israel kontrolliert die internationalen Hilfslieferungen, die zuletzt nur tröpfchenweise in den Gazastreifen gelassen wurden. Besonders dramatisch ist laut UN-Angaben die Lage im Norden, wo die Lieferung von Lebensmitteln und Nahrung aufgrund von Kämpfen und Zerstörung fast unmöglich ist.
P.Smith--AT