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Humanitäre Lage in Haiti verschlechtert sich nach Gewalt-Eskalation dramatisch
Angesichts der Gewalt-Eskalation in Haiti hat sich die humanitäre Lage in dem Karibikstaat dramatisch verschlechtert. Die Bewohner der Hauptstadt Port-au-Prince lebten "eingesperrt", die Stadt sei "von bewaffneten Gruppen und Gefahren umzingelt", erklärte am Samstag Philippe Branchat, Leiter des Haiti-Büros der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Seit Tagen greifen in Haiti bewaffnete Banden, die den größten Teil der Hauptstadt sowie Straßenverbindungen in den Rest des Landes kontrollieren, Polizeistationen, Gefängnisse und Gerichte an.
Die Gewalt in Haiti war in Abwesenheit von Haitis Regierungschef Ariel Henry eskaliert, während dieser sich auf einer Auslandsreise in Kenia befand. Die bewaffneten Banden im Land fordern den Rücktritt Henrys, der eigentlich Anfang Februar aus dem Amt hätte scheiden sollen. Henry hatte sich stattdessen Ende Februar mit der Opposition darauf verständigt, bis zur Abhaltung von Neuwahlen "innerhalb von zwölf Monaten" gemeinsam zu regieren.
Mehr als 360.000 Menschen sind inzwischen nach IOM-Angaben innerhalb Haitis vor der Gewalt geflohen. Auch ihre Lage ist nach Angaben von Büroleiter Brachat äußerst prekär: So könnten Menschen auf der Flucht aus Port-au-Prince ihre Angehörigen und Freunde, die sich im Rest des Landes befinden, nicht kontaktieren, um Zuflucht finden zu können.
Aus Port-au-Prince selbst berichtete ein AFP-Journalist, dass dutzende Menschen am Samstag örtliche Verwaltungsgebäude besetzten, um dort Zuflucht vor der Gewalt zu finden. Am Freitag hatten nach Angaben der haitianischen Polizeigewerkschaft bewaffnete Männer den Präsidentenpalast und das Polizeipräsidium in Port-au-Prince angegriffen. Mehrere Angreifer wurden demnach getötet.
IOM-Vertreter Branchat meldete Gewaltausbrüche auch aus dem nordwestlich der Hauptstadt gelegenen Artibonite, Straßenblockaden aus Cap Haitien im Norden des Inselstaats und Treibstoffmangel aus dem Süden. Staatliche Behörden und Schulen im Land sind dauerhaft geschlossen, der Flughafen und der Hafen in Port-au-Prince sind außer Betrieb.
Auch die Gesundheitsversorgung ist nach IOM-Angaben stark beeinträchtigt. Mehrere Krankenhäuser seien von Banden angegriffen worden, ärztliches Personal und Patienten hätten Kliniken verlassen müssen - unter ihnen neugeborene Babys. Mehrere Vertreter von UN-Organisationen in Haiti warnten in einer gemeinsamen Erklärung davor, dass 3000 schwangere Frauen möglicherweise vom Zugang zu medizinischer Versorgung abgeschnitten seien. 450 von drohten ohne ärztliche Hilfe "tödliche Komplikationen".
Haiti steckt seit Jahren in einer schweren Krise, zu der neben Bandengewalt auch politische Instabilität und wirtschaftliche Not gehören. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der auf humanitäre Hilfe angewiesenen Menschen in dem Land nach UN-Angaben verdoppelt.
W.Stewart--AT