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Zahlreiche Länder richten Seekorridor für Gaza-Hilfslieferungen ein
Zahlreiche Länder wollen innerhalb der kommenden Tage einen Seekorridor zur Versorgung des Gazastreifens mit dringend benötigten Hilfslieferungen einrichten. Die EU-Kommission, die USA, Zypern, Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung die Öffnung des Korridors an, an dem sich auch Deutschland, Griechenland, Italien und die Niederlande beteiligen wollen. Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll er möglicherweise bereits am Sonntag den Betrieb aufnehmen.
Deutschland befürworte gemeinsam mit der EU-Kommission und anderen Staaten die Einrichtung des humanitären Korridors auf dem Seeweg, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Onlinedienst X: "Diese Unterstützung wird dringend gebraucht." Laut einem Bericht des "Spiegel" prüft die Bundeswehr, inwieweit sie sich an dem geplanten Seekorridor beteiligen kann.
"Jedes Hilfspaket, das in Gaza ankommt, zählt", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts der Nachrichtenagentur AFP. Zur Umsetzung des Korridors stehe Deutschland "in ständigem Kontakt" mit Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und der EU-Kommission.
Laut einem Bericht des "Spiegel" bereitet die Bundesregierung derzeit zudem eine Beteiligung der Bundeswehr am Abwurf von Hilfsgütern für den Gazastreifen aus der Luft vor. Zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Verteidigungsministerium liefen seit Tagen Gespräche darüber, die Luftwaffe mit solchen Flügen zur Notversorgung der Zivilbevölkerung in dem Palästinensergebiet zu beauftragen, berichtete das Nachrichtenmagazin.
Beim Abwurf von Hilfslieferungen über dem Gazastreifen kamen derweil nach Krankenhausangaben am Freitag fünf Menschen ums Leben. Ein Bewohner des Flüchtlingslagers al-Schati im Westen der Stadt Gaza berichtete AFP, der Fallschirm eines Hilfspakets habe sich nicht geöffnet und die Lieferung sei ungebremst auf ein Häuserdach gestürzt, wo sich Menschen in der Hoffnung auf Hilfsgüter versammelt hatten.
US-Präsident Joe Biden hatte am Donnerstagabend bei seiner Rede zur Lage der Nation die Einrichtung eines provisorischen Hafens vor der Küste des Gazastreifens für zusätzliche Hilfslieferungen auf dem Seeweg angekündigt. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters wird dessen Bau allerdings mehrere Wochen dauern.
Die Hilfslieferungen sollen auf Zypern abgefertigt werden, von dort aus sind es auf dem Seeweg etwa zehn Stunden Fahrt bis zur Küste des Gazastreifens. "Wir stehen kurz davor, diesen Korridor zu öffnen, hoffentlich schon diesen Sonntag", sagte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bei einem Besuch im Hafen von Larnaka in Zypern. Ein "Piloteinsatz" solle bereits am Freitag starten, dabei sollten die Vereinigten Arabischen Emirate "die erste von vielen Lieferungen für die Menschen im Gazastreifen leisten".
Eine Versorgung der Bevölkerung in dem Palästinensergebiet auf dem Seeweg oder aus der Luft ist allerdings nicht ausreichend, der direkteste Weg ist der Landweg. Die UN-Beauftragte für humanitäre Hilfe im Gazastreifen, Sigrid Kaag, sprach sich nachdrücklich für die "Erweiterung der Versorgungsrouten auf dem Landweg" aus. US-Präsident Biden mahnte Israel in seiner Rede, die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen dürfe von Israel "nicht als nachrangig betrachtet" oder als "Verhandlungsmasse" eingesetzt werden.
Einem US-Regierungsvertreter zufolge hat Israel der Öffnung eines neuen Übergangs zum Gazastreifen zugestimmt, über den "im Verlauf der kommenden Woche" Hilfslieferungen rollen sollen. Der britische Außenminister David Cameron betonte, pro Tag wären mindestens 500 Lkw mit Hilfsgütern für das Palästinensergebiet notwendig. In den vergangenen Tagen seien jedoch pro Tag nur durchschnittlich etwa 120 Lastwagen über die Grenze gefahren. "Das muss in Ordnung gebracht werden", forderte Cameron.
Beim Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober waren israelischen Angaben zufolge etwa 1160 Menschen getötet sowie rund 250 als Geiseln verschleppt worden. Israel geht seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, bisher mindestens 30.800 Menschen getötet.
Nach fünf Monaten Krieg ist die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet katastrophal. Laut dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) befinden sich die dort lebenden 2,4 Millionen Menschen am Rande einer Hungersnot.
E.Hall--AT