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Demonstrant bei Protesten gegen Militärmachthaber im Sudan getötet
Bei heftigen Protesten gegen die Militärmachthaber im Sudan ist nach Angaben von Ärzten ein Demonstrant getötet worden. Sicherheitskräfte hätten in der Hauptstadt Khartum auf den 19-jährigen Protestteilnehmer geschossen und ihn tödlich verletzt, teilte das unabhängige Zentrale Ärztekomitee des Sudan am Mittwoch mit. Die Zahl der Toten seit dem von Armeechef Abdel Fattah al-Burhan angeführten Militärputsch am 25. Oktober sei damit auf 94 gestiegen.
Die Proteste, an denen sich landesweit tausende Menschen beteiligten, fanden anlässlich des Jahrestags zweier erfolgreicher Volksaufstände im Sudan statt. In Khartum, dem benachbarten Omdurman sowie in Wad Madani im Süden des Landes setzten die Sicherheitskräfte Augenzeugenberichten zufolge Tränengas gegen die Demonstranten ein.
Nach Angaben des Ärztekomitees stürmten Sicherheitskräfte zudem das Al-Dschawda-Krankenhaus in Khartum und feuerten auch dort Tränengas ab. Einige Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses wurden demnach verletzt.
Demonstrationen gab es laut Augenzeugen auch in mehreren Städten der Region Darfur sowie im zentralen Bundesstaat Nord-Kurdufan und in Bur Sudan am Roten Meer. Im östlichen Bundesstaat Gedaref fand ein Protestmarsch statt, bei dem laut einem Augenzeugen Banner mit den Aufschriften "Nein zur Militärherrschaft" und "Weg mit der Regierung des Hungers" zu sehen waren.
Zu den Protesten hatten pro-demokratische Aktivisten aufgerufen. Im Internet beschworen sie ein "Erdbeben des 6. April".
Der 6. April ist ein symbolisch bedeutsames Datum im Sudan. Am 6. April 1985 wurde der damalige Präsident Dschaafar Nimeiri bei einem Volksaufstand gestürzt. Am 6. April 2019 begannen tagelange Sitzblockaden vor dem Armee-Hauptquartier, die schließlich zum Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir führten.
An den Protesten am Mittwoch beteiligten sich trotz extremer Hitze und des Fastenmonats Ramadan tausende Menschen. "Wir wollen einfach die Putschisten stürzen und die Aussicht auf künftige Putsche beenden", sagte der Demonstrant Badwi Baschir in Khartum. AFP-Reporter berichteten von Freiwilligen, die nach Einbruch der Abenddämmerung Wasser und andere Lebensmittel an die Demonstranten verteilten.
Armeechef Burhan hatte im Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz Baschirs im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen leiten sollte. Seitdem kommt es regelmäßig zu Massenprotesten, gegen die das Militär oft gewaltsam vorgeht.
Verschärft wird die Lage im Sudan durch steigende Preise bei Lebensmitteln und Treibstoff. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Gewalt seit dem Putsch zugenommen, insbesondere in der Unruheregion Darfur.
Die USA forderten am Mittwoch den Verzicht "auf jede Art von Gewalt" und riefen die sudanesischen Behörden auf, "ihr Wort zu halten und jene zur Rechenschaft zu ziehen, die für Misshandlungen verantwortlich sind".
E.Rodriguez--AT