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Mehr als 50.000 Menschen aus Bergkarabach nach Armenien geflohen
Eine Woche nach der Niederlage pro-armenischer Kämpfer gegen die Truppen Aserbaidschans in Bergkarabach hält der Exodus der Bevölkerung aus der Kaukasusregion an. Nach Angaben der armenischen Behörden vom Mittwoch trafen inzwischen mehr als 50.000 Flüchtlinge in Armenien ein. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) forderte die Entsendung von internationalen Beobachtern nach Bergkarabach.
In der Enklave Bergkarabach, das international als Teil Aserbaidschans anerkannt wird, lebten knapp 120.000 ethnische Armenier. Aserbaidschan hatte am Sonntag nach Monaten die einzige Straße aus Bergkarabach nach Armenien wieder geöffnet. Die Blockade hatte die humanitäre Lage für die Menschen in der Region erheblich verschlechtert.
Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte erklärt, sein Land sei zur Aufnahme von 40.000 Flüchtlingen bereit. Bisher war es den Behörden allerdings nur gelungen, rund 2850 Menschen unterzubringen.
Die aserbaidschanischen Behörden erklärten derweil, einen früheren hochrangigen Regierungsvertreter der pro-armenischen Kräfte in Bergkarabach festgenommen zu haben. Ruben Wardanjan sei auf dem Weg nach Armenien aufgegriffen und an Beamte in Baku übergeben worden, teilte der Grenzschutz mit. Der Geschäftsmann stand der Regierung in Bergkarabach von November 2022 bis Februar 2023 vor.
Seit Jahrzehnten kämpfen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach. Eriwan wirft Baku vor, eine "ethnische Säuberung" in der Region zu planen, nachdem Aserbaidschan dort am 19. September eine großangelegte Militäroffensive gestartet hatte.
Bereits einen Tag später mussten sich die pro-armenischen Kämpfer von Bergkarabach geschlagen geben und eine Waffenstillstandsvereinbarung akzeptieren. Baku will die selbsternannte Republik Bergkarabach nun wieder vollständig in sein Territorium eingliedern.
Am Mittwoch hieß es aus Baku, bei der Militäroffensive seien 192 aserbaidschanische Soldaten und ein Zivilist getötet worden. Mehr als 500 weitere aserbaidschanische Soldaten seien zudem verletzt worden, erklärte das Gesundheitsministerium. Die pro-armenische Seite hatte 213 Tote vermeldet.
Derweil forderte Außenministerin Baerbock die Entsendung internationaler Beobachter nach Bergkarabach. "Niemand weiß wirklich, wie es den Menschen dort ergeht und was sie durchmachen müssen", erklärte die Ministerin am Mittwoch in Berlin. "Es braucht jetzt Transparenz und die Augen und Ohren der internationalen Gemeinschaft vor Ort. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir mit aller Kraft daran arbeiten, so rasch wie möglich Beobachterinnen und Beobachter zu entsenden."
Sie appellierte an Baku, eine solche Entsendung zu akzeptieren. Wenn Aserbaidschan diese Beobachter zuließe, würde es sich um einen "Vertrauensbeweis" dafür handeln, dass Aserbaidschan es "mit seinen Zusagen für die Sicherheit und das Wohl der Menschen" ernst meine, fuhr Baerbock fort.
Zudem solle die humanitäre Hilfe "noch einmal deutlich" aufgestockt werden. Die zusätzlichen Mittel für das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) würden von zwei auf fünf Millionen Euro erhöht, erklärte die Ministerin. Nach der monatelangen Blockade fehle es noch immer an fast allem, "was es für ein Leben in Würde braucht: Lebensmittel, Medikamente oder Sanitärprodukte".
A.O.Scott--AT