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Kosovo fordert nach tödlichen Zusammenstößen von Serbien Auslieferung Verdächtiger
Nach tödlichen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Angreifern im Nordkosovo suchen die Behörden nach Mitgliedern der offenbar schwer bewaffneten Gruppe. Innenminister Xhelal Svecla forderte am Montag von Belgrad die Auslieferung von sechs Verdächtigen, die sich in Südserbien befänden. "Nach unseren Informationen werden sechs verletzte Terroristen im Krankenhaus von Nowi Pasar behandelt, und wir verlangen von Serbien, sie unverzüglich den Behörden des Kosovos zu überstellen, damit sie vor Gericht gestellt werden können", sagte Svecla. Der Angriff sorgte international für Besorgnis.
Der Einsatz sei noch im Gange, hatte der kosovarische Regierungschef Albin Kurti zuvor gesagt. Innenminister Svecla gab überdies an, es seien "eine außergewöhnlich hohe Anzahl von schweren Waffen", Sprengstoff, Lebensmittel und andere Materialien gefunden worden. "Man kann eindeutig sagen, dass dieses Arsenal für hunderte weitere Angreifer bestimmt war."
Die Unruhen hatten am frühen Sonntagmorgen begonnen, als bei einem Angriff auf eine Patrouille nach Behördenangaben ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt wurden. Etwa 30 bewaffnete Männer verschanzten sich später im Kloster des Dorfes Banjska, bevor das Innenministerium in Pristina am Sonntagabend mitteilte, das Gelände sei nach "Kämpfen" wieder unter Kontrolle der Behörden. Mindestens drei Angreifer wurden nach Behördenangaben am Sonntag getötet, eine vierte Leiche wurde demnach am Montag entdeckt.
"Vieles wird sich im Laufe der Ermittlungen klären", sagte Kurti am Montag bei einem Treffen mit dem Sondergesandten der Bundesregierung für den Westbalkan, Manuel Sarrazin. Der Tatort war am Montag abgeriegelt. In Pristina wehten die Flaggen wegen eines Trauertags zu Ehren des getöteten Polizisten auf Halbmast.
Nach dem tödlichen Angriff auf die Patrouille sprach Regierungschef Kurti am Sonntag von einem "Terroranschlag". Er beschuldigte "Verantwortliche in Belgrad", logistische und finanzielle Unterstützung "für das organisierte Verbrechen" zu leisten.
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic wies jegliche Verantwortung seines Landes für die Vorfälle zurück und erklärte, bei den Angreifern habe es sich um Kosovo-Serben gehandelt. Kurti provoziere "ständig und es tut mir leid, dass einige Serben seinen Provokationen nachgegeben haben", erklärte Vucic.
Der Serbe traf sich am Montag mit dem russischen Botschafter in Belgrad. Unterdessen warnte der Kreml in Moskau davor, dass die Lage "sehr, sehr angespannt" sei. Es sei "kein Geheimnis", dass "sehr oft Provokationen gegen die Serben organisiert" würden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
International wurde der Angriff verurteilt. Der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sprach von "terroristischen Angriffen". In den USA appellierte Außenminister Antony Blinken an Kosovo und Serbien, von "Handlungen und Rhetorik abzusehen, die Spannungen weiter entfachen könnten".
Vucic müsse "Angriffe von schwer bewaffneten serbischen Milizionären in gepanzerten Fahrzeugen auf die kosovarische Polizei unterbinden, statt sie 'ganz normalen Bürgern' in die Schuhe zu schieben", erklärte indes Renata Alt (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Bundestag. Für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien müssten aber beide Seiten Anstrengungen unternehmen.
Das Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Zu den rund 1,8 Millionen Einwohnern des Kosovo zählen rund 120.000 Serben, die vor allem im Norden des Landes leben.
Seit Monaten nehmen die Spannungen im Nordkosovo wieder zu. Ein Auslöser war, dass die Regierung in Pristina im Mai beschlossen hatte, ethnisch-albanische Bürgermeister in vier Gemeinden mit serbischer Mehrheit einzusetzen. Bei den folgenden Ausschreitungen wurden unter anderem mehr als 30 Soldaten der Nato-Friedenstruppe KFOR verletzt.
F.Ramirez--AT