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Mindestens vier Tote bei Protesten rivalisierender Gruppen im Nordirak
Bei Zusammenstößen von Kurden und Arabern in der nordirakischen Stadt Kirkuk sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Mindestens drei von ihnen seien durch Schüsse getötet worden, teilte die örtliche Gesundheitsbehörde am Sonntag mit. Unklar blieb, wer die Schüsse abgab. Zudem wurden den Angaben zufolge 15 Menschen verletzt. Sie seien von "Kugeln, Steinen oder Glas" getroffen worden. Der irakische Regierungschef Mohammed Schia al-Sudani kündigte die Gründung einer Untersuchungskommission an.
Am Samstag war die Situation in der von verschiedenen Bevölkerungsgruppen bewohnten Stadt eskaliert, als bei rivalisierenden Demonstrationen kurdische Einwohner auf der einen und Turkmenen und Araber auf der anderen Seite aufeinandertrafen. Polizisten versuchten die Gruppen auseinanderzuhalten und gaben Augenzeugen zufolge Warnschüsse ab, um die kurdischen Demonstranten zur Auflösung ihres Protests zu bewegen.
Regierungschef al-Sudani verhängte eine Ausgangssperre, die am Sonntag wieder aufgehoben wurde. "Die Lage in der gesamten Stadt hat sich stabilisiert", sagte der Polizeichef von Kirkuk, General Kawa Gharib, der Nachrichtenagentur AFP.
Die nordirakische Stadt Kirkuk untersteht gemäß der irakischen Verfassung der Zentralregierung in Bagdad, aber auch die Behörden der autonomen Kurdenregion im Norden des Landes beanspruchen die Stadt für sich. Die dortige Lage ist seit knapp einer Woche zunehmend angespannt.
Am Montag hatten arabische und turkmenische Demonstranten nahe dem Hauptquartier der irakischen Sicherheitskräfte einen Sitzstreik abgehalten, nachdem Ministerpräsident al-Sudani diese laut Medienberichten angewiesen hatte, das Gelände an die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) zu übergeben. Ein AFP-Korrespondent beobachtete am Samstag, wie kurdische Demonstranten versuchten, zu dem Hauptquartier zu gelangen.
Laut einem hochrangigem Vertreter der Sicherheitskräfte befand sich das Gebäude am Sonntagmorgen "unter der Kontrolle der irakischen Armee". Die arabischen und turkmenischen Demonstranten lösten Polizeiangaben zufolge ihren Sitzstreik auf.
Die Ölstadt Kirkuk ist traditionell von Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen geprägt. In dem Ort leben Kurden sowie Araber und Angehörige der turkmenischen Minderheit. Die kurdischen Peschmerga-Truppen hatten die Kontrolle über die Stadt 2014 übernommen, nachdem die irakischen Regierungstruppen vor der Blitzoffensive der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflohen waren.
Nach einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum im September 2017 nahm die Zentralregierung den Kurden Kirkuk und andere Gebiete wieder ab. Der Verlust der ölreichen Region Kirkuk war besonders bitter, da die Ölexporte aus dem Gebiet für einen Großteil der Einnahmen der Autonomieregion aufkamen.
P.Hernandez--AT