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RKI-Studie hält Corona-Schutzauflagen im Nachhinein für wirksam
Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens während der Corona-Pandemie haben die Ausbreitung des Virus deutlich verringern können: Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgelegte Studie, in der das Robert-Koch-Institut (RKI) die Wirksamkeit einzelner Corona-Schutzmaßnahmen untersuchte. Diese Maßnahmen "trugen wesentlich zur Bekämpfung der Pandemie bei und verhinderten in der Zeit bis zur Entwicklung wirksamer Impfstoffe eine starke Überlastung des Gesundheitssystems", resümierten die Fachleute.
Die RKI-Experten kamen in der umfassenden Untersuchung zu dem Schluss, dass auch "weniger stark eingreifende" Schutzauflagen wie etwa Hygienekonzepte oder die Begrenzung der Personenzahl bei öffentlichen Veranstaltungen eine "relevante Wirkung" bei der Pandemiebekämpfung gezeigt hätten.
Als besonders wirksam habe sich jeweils das Zusammenwirken mehrerer Schutzmaßnahmen erwiesen. In der Studie habe sich gezeigt, dass Verschärfungen der Schutzauflagen "jeweils zu einer stärkeren Reduktion der Covid-19-Ausbreitung" geführt hätten.
Bei der Beurteilung der besonders umstrittenen Schulschließungen zeigte sich die Wissenschaftler zurückhaltend. Die Daten ließen zwar den Befund zu, dass die Schulschließungen "mit einer geringeren Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 assoziiert" gewesen seien, heißt es in der Studie. Zugleich müsse bei der Bewertung berücksichtigt werden, dass Schulschließungen für betroffene Kinder "viele nachteilige Entwicklungen" bewirkt hätten.
Eine wichtige Rolle bei der Pandemibekämpfung kam demzufolge den Corona-Impfungen zu: Diese hätten einen "stark reduzierenden Effekt" auf die Ausbreitung gehabt.
Die Studienautoren betonten, dass ihre Befunde nicht als Handlungsanleitung für künftige Pandemien zu verstehen seien. Sie schreiben: "Zu den Überlegungen, ob die Einführung einer bestimmten Maßnahme auch in Zukunft sinnvoll ist, müssen mögliche unbeabsichtigte Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen, das gesellschaftliche Zusammenleben und der Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung immer wieder neu abgewogen werden."
Für die Studie werteten die RKI-Experten Informationen darüber aus, wie sich der so genannte R-Wert nach dem Inkrafttreten neuer Corona-Auflagen verändert hat. Der R-Wert gibt an, viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Liegt der Wert über eins, bedeutet dies, dass sich das Virus weiter ausbreitet.
Die Forscher setzten die Entwicklung des R-Werts auf Ebene der 16 Bundesländer mit Schutzauflagen in Verbindung, die sie in 14 Kategorien einteilten - etwa Kontaktbeschränkungen für Privatwohnungen und am Arbeitsplatz, Schließungen von Gastronomie-, Kultur- und Sporteinrichtungen, Beschränkungen bei Reisen, Zugangseinschränkungen im Groß- und Einzelhandel sowie bei öffentlichen Veranstaltungen.
In der Studie wiesen die Forscher selbst darauf hin, dass die Aussagekraft der einzelnen Erkenntnisse begrenzt sein könnte. So lasse sich etwa die Wirksamkeit der Kontaktbeschränkungen in Privatwohnungen nicht zuverlässig ermitteln, weil davon auszugehen sei, dass solche Auflagen vielfach missachtet wurden.
Zudem wiesen sie darauf hin, dass auch der R-Wert von anderen Faktoren beeinflusst worden sei - etwa von der jeweils geltenden Teststrategie. Je mehr getestet werde, desto mehr Infektionen werden bekannt und desto höher steigt der R-Wert.
H.Thompson--AT