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Teheran und Riad treiben Normalisierung ihrer Beziehungen voran
Nach sieben Jahren diplomatischer Eiszeit treiben Saudi-Arabien und der Iran die Normalisierung ihrer Beziehungen voran. Eine saudiarabische Delegation führt seit Samstag Gespräche im Iran über die Wiedereröffnung der dortigen diplomatischen Vertretungen des Königreichs. Teheran kündigte seinerseits Delegationsbesuche in den kommenden Tagen in Saudi-Arabien an. Außerdem traf eine saudiarabische Delegation im Jemen zu Friedensverhandlungen mit der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz ein.
Die Regionalmächte Saudi-Arabien und der Iran rivalisieren seit Jahren um Einfluss im Nahen Osten. Einer der wichtigsten Schauplätze dieses Ringens ist der Bürgerkrieg im Jemen, in dem die schiitischen Huthi-Rebellen mit iranischer Rückendeckung gegen Truppen des ins Exil geflüchteten sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur kämpfen. Riad wiederum führt eine Militärkoalition mit den Vereinigten Arabischen Emiraten an, welche die Regierung im Jemen stützt.
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa traf nun eine saudiarabische Delegation ein, "um über Fortschritte bei der Schaffung von Frieden im Jemen zu sprechen", wie ein jemenitischer Diplomat in der Golfregion sagte. Dies wurde von einem zweiten Diplomaten bestätigt.
Auch eine Delegation aus dem Oman traf am Samstag im Jemen ein, wie eine Quelle am Flughafen von Sanaa mitteilte. Dabei ging es um einen neuen Waffenstillstand. Der Oman hat sich einen Ruf als diskreter Vermittler bei Konflikten am Golf erworben, in die oft der Iran verwickelt ist.
Im vergangenen Jahr hatten sich die Konfliktparteien im Jemen auf einen sechsmonatigen Waffenstillstand geeinigt. Die Vereinbarung lief aber Anfang Oktober aus und wurde nicht verlängert. Dennoch wird sie weitestgehend eingehalten.
Der Iran und Saudi-Arabien ringen um Einfluss nicht nur im Jemen, sondern auch in Syrien, im Libanon und im Irak. Vor knapp einem Monat schlossen die beiden Regionalmächten dann aber zusammen mit China ein Abkommen, das auf die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Teheran und Riad abzielt.
Diese Beziehungen waren sieben Jahre lang ausgesetzt, nachdem Demonstranten im Iran diplomatische Vertretungen Saudi-Arabiens nach der Hinrichtung eines schiitischen Klerikers in Riad angegriffen hatten. Das dann am 10. März durch Vermittlung Chinas zustande gekommene Abkommen sieht neben der Wiederaufnahme der Beziehungen auch vor, dass beide Länder ihre wirtschaftlichen Verbindungen wiederbeleben.
Am vergangenen Donnerstag führten die Außenminister beider Länder Gespräche in Peking. Am Samstag traf dann nach Angaben der saudiarabischen Nachrichtenagentur SPA eine "technische Delegation" des Königreichs zu einem mehrtägigen Besuch im Iran ein. In Teheran sprach die Delegation demnach mit dem Protokollchef des iranischen Außenministeriums. Dabei sei es um die Wiedereröffnung der Botschaft und von Konsulaten gegangen. Der Protokollchef habe der Delegation jegliche Unterstützung zugesagt.
Der iranische Vize-Außenminister Aliresa Enjati kündigte seinerseits am Sonntag im staatlichen Fernsehen seines Landes an, dass bis Freitag zwei iranische Delegationen nach Saudi-Arabien reisen würden, eine davon in die Hauptstadt Riad und die andere nach Dschiddah. Dabei solle die Wiedereröffnung diplomatischer Vertretungen in dem Königreich vorbereitet werden.
Die Annäherung zwischen dem mehrheitlich sunnitisch-muslimischen Saudi-Arabien, dem größten Ölexporteur der Welt, und dem mehrheitlich schiitischen Iran, der wegen seines Atomprogramms vom Westen sanktioniert wird, hat das Potenzial, die Kräfteverhältnisse in einer seit Jahrzehnten von Gewalt und Unruhen geprägten Region umzugestalten.
Das Abkommen war auch ein diplomatischer Erfolg für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, der eine stärkere globale politische Rolle seines Landes anstrebt. Die Vereinbarung stieß international auf weitgehend positive Reaktionen. Chinas Erfolg bei der Vermittlung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien stellt allerdings die Rolle der USA als traditioneller Vermittler im Nahen Osten in Frage.
N.Walker--AT