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Freispruch für Silvio Berlusconi in Prozess um Zeugenbestechung
Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi kann aufatmen: Ein sechsjähriger Prozess gegen den Medienmogul endete am Mittwoch in Mailand mit dem dritten Freispruch in drei Jahren. Das Gericht kam zu dem Schluss, der 86-jährige heutige Senator habe keine Zeugen bestochen, damit sie die Unwahrheit über Berlusconis berüchtigte "Bunga Bunga"-Partys sagen.
Berlusconi nahm an dem Gerichtstermin am Mittwoch nicht persönlich teil. Er teilte aber nach dem Urteil mit, nach "mehr als elf Jahren Leiden, Schlammschlacht und unberechenbaren politischen Schäden" sei er "endlich entlassen worden".
Zuvor war der Milliardär im Zusammenhang mit den "Bunga Bunga"-Partys bereits in zwei Verfahren in den Jahren 2021 und 2022 in Siena und Rom vom Vorwurf der Zeugenbestechung freigesprochen worden. Berlusconis Anwalt äußerte sich "enorm zufrieden" über das Urteil.
Im Zentrum der Affäre steht die damals 17-jährige Tänzerin Karima el-Mahroug alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin), mit der Berlusconi ab 2010 Sex gegen Geld gehabt haben soll. Die sogenannte "Ruby-Affäre" geriet erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit, als el-Mahroug 2010 von der italienischen Polizei wegen Diebstahls festgenommen wurde.
Berlusconi, der damals Regierungschef war, rief daraufhin in der Polizeiwache an und behauptete, el-Mahroug sei die Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und müsse deshalb freigelassen werden. El-Mahroug hatte später in einem mitgeschnittenen Gespräch von regelmäßigen Orgien in Berlusconis Villa berichtet. Später ruderte sie aber zurück und behauptete, sie habe sich alles nur ausgedacht.
Gerichte hatten erfolglos versucht, Berlusconi nachzuweisen, dass er von el-Mahrougs Minderjährigkeit wusste und einer Reihe an Zeugen Schweigegeld in Millionenhöhe gezahlt hatte, damit diese die Vorfälle in Berlusconis Haus vertuschen.
Staatsanwältin Tiziana Siciliano hatte Berlusconi sogar als "Sultan" bezeichnet, welcher "seine Abende mit einer Gruppe Konkubinen in Schwung kommen lässt, im Sinne von Sexsklavinnen, die ihn gegen Gebühr unterhielten". Während manche Zeugen behaupteten, in Berlusconis privatem Villa-Nachtclub sei nichts Unangemessenes passiert, erzählten andere von Gruppensex mit als Nonnen verkleideten Gästen.
Berlusconi hatte die mutmaßlichen Sexpartys, die als "Bunga Bunga" bekannt wurden, stets als "elegante Dinner" bezeichnet; das Geld, die Häuser und die Autos, die Zeugen von ihm bekamen, waren laut seinen Verteidigern Kompensationen für die Rufschädigung, die der Prozess mit sich bringe. Berlusconi stehe allein "wegen des Verbrechens der Großzügigkeit" vor Gericht. Der Fall hielt Italien über ein Jahrzehnt in Atem.
Berlusconi hat das öffentliche Leben in Italien über Jahrzehnte in verschiedenen Rollen dominiert - nicht nur als Politiker, sondern auch als Medienmogul und langjähriger Eigentümer des Fußballvereins AC Mailand. Er war zwischen 1994 und 2011 dreimal Ministerpräsident.
Wegen Dutzender Vorwürfe war Berlusconi jedoch auch ein Dauergast vor Gericht, hat die überwiegende Mehrheit seiner Prozesse aber gewonnen und nie Zeit hinter Gittern verbracht. Nach einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung wurde er ein Jahr lang von allen politischen Ämtern verbannt. Danach kehrte er auf die politische Bühne zurück und wurde 2022 als Senator wiedergewählt. Seine Partei Forza Italia ist Teil der Regierungskoalition von Giorgia Meloni.
Die Richter in Mailand müssen in den kommenden 90 Tagen ihr Urteil schriftlich begründen. Im Anschluss hat die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, Berufung einzulegen.
F.Ramirez--AT