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Bolsonaro verabschiedet sich unter Tränen von seinen Anhängern
Brasiliens scheidender rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hat sich zwei Tage vor der Amtsübernahme seines linksgerichteten Nachfolgers Luiz Inácio Lula da Silva unter Tränen von seinen Anhängern verabschiedet. "Die Welt wird nicht am 1. Januar untergehen", sagte Bolsonaro in seiner ersten Videoansprache seit seiner knappen Wahlniederlage Ende Oktober. "Man verliert Schlachten, aber wir werden keine Kriege verlieren", fuhr er fort.
Bolsonaro ließ indes offen, ob er bei Lulas Amtseinführung wie vom Protokoll eigentlich vorgesehen anwesend sein wird, um ihm die Präsidentenschärpe überzustreifen. Der bisherige Staatschef plant, unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus dem Amt in die USA zu reisen.
Das Generalsekretariat des brasilianischen Präsidialamts genehmigte am Freitag die Entsendung einer staatlichen Delegation, um "Sicherheit und persönliche Unterstützung für den zukünftigen ehemaligen Präsidenten der Republik" auf einer Reise nach Miami im US-Bundesstaat Florida zu gewährleisten.
Die Reise soll demnach von 1. bis 30. Januar dauern. Bolsonaro erwähnte seine Pläne in der Videobotschaft nicht und ließ somit offen, wann er das Flugzeug besteigen und ob er an der Feier zu Lulas Amtseinführung in der Hauptstadt Brasília teilnehmen wird.
"Ich hätte nie erwartet, dass ich so weit komme", sagte Bolsonaro in seiner Videobotschaft unter Tränen. "Zumindest haben wir den Untergang Brasiliens durch diese ruchlose Ideologie der Linken um vier Jahre verschoben", sagte Bolsonaro. "Ich habe mein Bestes gegeben", ergänzte er.
Ein großer Teil der politischen Beobachter beurteilt Bolsonaros vierjährige Amtszeit hingegen als desaströs - angesichts massiver Umweltzerstörung und eines chaotischen Umgangs mit der Corona-Pandemie.
Seit seiner Niederlage in der Stichwahl gegen Lula hat Bolsonaro sich faktisch in seine offizielle Residenz zurückgezogen und sich kaum noch öffentlich geäußert. Der Rechtsradikale genehmigte zwar formell den Machtübergang, erkannte Lulas Sieg aber nicht öffentlich an.
Hunderte von Anhängern Bolsonaros harren aus Protest gegen den Wahlausgang weiterhin vor dem Hauptquartier des Militärs in Brasília und in anderen Städten aus. Sie fordern ein Eingreifen der Streitkräfte, um Lulas Rückkehr an die Macht zu verhindern.
Am Heiligabend war in Brasília ein mutmaßlich von einem Bolsonaro-Anhänger geplantes Sprengstoffattentat gescheitert. Der Mann soll Sprengsätze an einem Tanklaster platziert und so versucht haben, vor dem Machtwechsel Chaos zu verbreiten. Er habe die "Einführung des Kommunismus in Brasilien" verhindern wollen, sagte der Beschuldigte den Ermittlern.
Bolsonaro kritisierte den Tatversuch als "terroristischen Akt", verteidigte aber seine Anhänger, die gegen Lulas Amtsübernahme protestieren.
H.Thompson--AT