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Proteste in Berg-Karabach gegen Blockade von Landverbindung nach Armenien
In der umstrittenen Grenzregion Berg-Karabach haben tausende Menschen gegen eine Blockade der einzigen Landverbindung zu Armenien durch aserbaidschanische Aktivisten protestiert. 120.000 Menschen vom Latschin-Korridor abzuschneiden, der einzigen Straße, die die Region mit der Außenwelt verbinde, sei "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte Mary Asatrjan, eine Mitarbeiterin des Ombudsmann-Büros, am Sonntag bei der Demonstration in der Hauptstadt Stepanakert.
Bei dem Protest versammelten sich AFP-Reportern zufolge zahlreiche Menschen. Ein Mädchen trug demnach ein Schild mit der Aufschrift "Öffnet die 'Straße des Lebens'". Andere Demonstrierende hielten Transparente mit der Forderung nach "Selbstbestimmung" und dem Slogan "Wir werden nicht aufgeben".
Seit fast zwei Wochen blockieren aserbaidschanische Aktivisten aus Protest gegen angeblich illegale Bergbauarbeiten den Latschin-Korridor, eine Pufferzone zwischen der armenischen Grenze und Berg-Karabach. Seit der Blockade leide die Enklave unter einem Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff, erklärte das armenische Parlament. Die Regierung in Jerewan warf Baku vor eine humanitäre Krise in der Enklave herbeizuführen.
Baku streitet die Vorwürfe jedoch ab. Die Behauptung, die Proteste in Latschin würden "eine humanitäre Krise heraufbeschwören", entbehre jeder Grundlage, erklärte das aserbaidschanische Außenministerium in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.
Aserbaidschan und Armenien streiten seit dem Zerfall der Sowjetunion um die Grenzregion Berg-Karabach. Dabei kamen bislang 30.000 Menschen ums Leben. In den 1990er Jahren führten beide Staaten Krieg, seither flammte der Konflikt wiederholt auf. Kämpfe im Jahr 2020 mit mehr als 6500 Toten wurden durch ein von Russland vermitteltes Waffenstillstandsabkommen beendet. Dabei musste Armenien große Gebiete aufgeben.
In dem seit Jahrzehnten anhaltenden Konflikt zwischen den beiden früheren Sowjetrepubliken hat Russland über die Jahre hinweg immer wieder eine Vermittlerrolle eingenommen. Auch die EU und die USA schalteten sich zuletzt in den Konflikt ein und bemühten sich um Vermittlung, nachdem zuletzt im September bei erneuten Kämpfen mindestens 286 Menschen getötet worden waren.
Für Dezember geplante Gespräche zwischen Jerewan und Baku in Brüssel wurden zuletzt abgesagt, nachdem Aserbaidschan Frankreich vorgeworfen hatte, Armenien in dem jahrzehntelangen Konflikt zu unterstützen. Dennoch rief der französische Präsident Emmanuel Macron seinen aserbaidschanischen Kollegen Ilham Alijew an und forderte laut einer Presseerklärung des Elysée die "Ermöglichung des freien Verkehrs entlang des Latschin-Korridors".
A.Ruiz--AT