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Selenskyj bei bislang gefährlichstem Frontbesuch in Bachmut im Osten der Ukraine
Bei seinem bislang wohl riskantesten Frontbesuch hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Dienstag die hart umkämpfte Stadt Bachmut im Osten der Ukraine besucht. Er sprach Selenskyj mit Soldaten und verlieh ihnen Auszeichnungen, wie das ukrainische Präsidialamt erklärte. Zeitgleich zeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau russische Militärs und Separatistenführer aus. Zuvor räumte Putin eine "extrem schwierige" Lage in den annektierten Regionen in der Ukraine ein.
Ein vom ukrainischen Staatssender Freedom verbreitetes Video zeigt Selenskyj, wie er Soldaten Orden überreicht. "Ich wünschte, es gäbe Licht, aber die Situation ist so schwierig, dass es Licht gibt - und dann nicht mehr", sagte Selenskyj in Anspielung auf die Stromausfälle im ganzen Land nach massiven russischen Bombenangriffen in den vergangenen Wochen.
Selenskyj hat während des seit fast zehn Monaten andauernden Kriegs mit Russland bereits mehrfach Orte an der Front besucht, darunter Cherson im Süden, das kürzlich von den ukrainischen Streitkräften zurückerobert worden war, sowie die Stadt Slowjansk im Donbass. Der Frontbesuch in Bachmut ist sein bisher gefährlichster, da die russischen Streitkräfte unmittelbar vor den Toren der Stadt stehen.
"Selenskyj in Bachmut. Der mutigste Präsident der mutigsten Nation", kommentierte der stellvertretende Ministerpräsident Mychailo Federow auf Telegram. Laut Präsidialamt ist Bachmut derzeit das Zentrum der Kämpfe an der Ostfront.
Bachmut liegt in Donezk, einer der vier ukrainischen Regionen, die Putin im September für annektiert erklärte. Die Regionen werden aber nur zum Teil von russischen Truppen kontrolliert. Russische Streitkräfte versuchen seit dem Sommer, die Stadt einzunehmen - bisher ohne Erfolg. Zermürbende Kämpfe haben in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Toten auf beiden Seiten geführt.
"Bachmut ist die östliche Festung der Ukraine", sagte die stellvertretende Verteidigungsministerin Ganna Maliar, die Selenskyj bei seinem Besuch begleitete.
Auch der russische Präsident zeichnete am Dienstag im Kreml Soldaten sowie Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft mit Orden aus, wie im Fernsehen zu sehen war, darunter auch im Osten der Ukraine eingesetzte Separatistenführer.
Zuvor räumte Putin Probleme in den annektierten Regionen in der Ukraine ein: "Die Situation in den Volksrepubliken Donezk und Luhansk sowie in den Regionen Cherson und Saporischschja ist extrem schwierig", sagte er in einem an Mitarbeiter von russischen Geheim- und Sicherheitsdiensten gerichteten Video.
Nach Angaben des Kreml wird Putin am Mittwoch mit hochrangigen Vertretern des Verteidigungsministeriums zusammentreffen, um die militärischen Ziele für das kommende Jahr zu verkünden und den Konflikt in der Ukraine zu bewerten.
Der Krieg in der Ukraine dauert mittlerweile genau 300 Tage. Außen-Staatsminister Tobias Lindner (Grüne) schrieb bei einem Besuch in Kiew im Onlinedienst Twitter am Dienstag: "Heute vor 300 Tagen begann der Aggressionskrieg gegen die Ukraine. Mit dem Bürgermeister der Stadt Kyiv @Vitaliy_Klychko sprach ich über die Auswirkungen der fortgesetzten völkerrechtswidrigen Angriffe auf die zivile Infrastruktur", erklärte er. Deutschland werde die Ukraine weiterhin unterstützen, sowohl mit Flugabwehr als auch mit Generatoren und Wiederaufbau.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) genehmigte unterdessen ein wirtschaftliches Überwachungsprogramm für die Ukraine, das Kiew helfen könnte, Finanzmittel von Gebern zu erhalten. Das Land benötigt in diesem Jahr mehr als 40 Milliarden Dollar (37,7 Milliarden Euro).
Indes forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in einem Telefonat auf, sich bei Putin für ein Ende des Ukraine-Krieges einzusetzen.
W.Stewart--AT