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Grünen-Chef Nouripour zog wegen Long Covid Verbleib im Amt infrage
Der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour hat während seiner Long-Covid-Erkrankung seinen Verbleib im Amt infrage gestellt. "Mich hat zunehmend die Frage beschäftigt, ob ich dem gerecht werden konnte, was meine Partei von ihrem Vorsitzenden braucht", sagte er dem "Tagesspiegel" vom Dienstag. "Wenn man da das Gefühl hat, dass man nicht bis ans Limit gehen kann, was man aber tun muss, hinterfragt man sich."
Nouripour hatte im Frühjahr mit dem Coronavirus angesteckt. Tagelang sei er nicht aus dem Bett gekommen, habe aber trotzdem versucht, die Geschäfte als Parteivorsitzender zu führen, sagte er der Zeitung. "Ich war laufend erschöpft. Das hat mich physisch über meine Grenzen gebracht."
Nach der akuten Erkrankung litt der Grünen-Chef nach eigenen Angaben über Monate immer wieder an Schwindelanfällen. "Ich saß bei politischen Gesprächen und alles drehte sich plötzlich, teilweise für eine Minute", berichtete er. In den ersten zwei Monaten habe sich sein Zustand nicht verbessert. "Ich fing an, mich zu fragen, ob das jemals wieder aufhört." Die Symptome hätten erst in der politischen Sommerpause nachgelassen.
Nouripour äußerte sich kritisch zum Umgang mit Krankheiten und Schwächen in der Spitzenpolitik. "Der Betrieb nimmt kaum Rücksicht auf Persönliches", sagte er. "Grundsätzlich brauchen wir mehr Bewusstsein für Zwischenmenschlichkeit im Politikbetrieb."
Die Arbeitsbelastung für Abgeordnete sei zu hoch, fügte der Grünen-Politiker hinzu. "Da kann man nicht einfach aussetzen. Es gibt aber auch viele Politiker, die Angst haben, dass der Zug ohne sie abfährt, und das stimmt. Der Zug wartet nicht."
Er selbst habe im beruflichen Umfeld eine dreimonatige Elternzeit verschwiegen: "Ich habe ein Neugeborenes gehütet und gleichzeitig alle Abstimmungen in Sitzungen und Fraktionen koordiniert", sagte Nouripour. "Diese drei Monate waren die Hölle, auch weil draußen niemand mitbekommen sollte, dass ich fehlen könnte."
W.Stewart--AT