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Intimacy Choreography: Hannah Dewor setzt auf Konsens in der Tanzbranche
Die Tänzerin und Tanzpädagogin Hannah Dewor bringt das Konzept der Intimacy Choreography nach Frankfurt. Ziel ist es, durch klare Strukturen und Kommunikation Machtmissbrauch in der prekären Tanzbranche zu verhindern und einen sicheren Raum für künstlerische Arbeit zu schaffen.
In der Filmindustrie sind Intimacy Coordinators längst Standard, um bei sensiblen Szenen den Schutz und das Wohlbefinden der Schauspieler zu gewährleisten. In der Tanzwelt hingegen ist diese Rolle kaum verbreitet, obwohl körperlicher Kontakt ein wesentlicher Bestandteil dieser Kunstform ist. Die in Frankfurt lebende Tänzerin und Tanzpädagogin Hannah Dewor möchte dies ändern und hat die Ausbildung zur Intimacy Choreographer absolviert, um das Konzept auf die Bühne zu übertragen.
Dewor argumentiert, dass im Tanz die Umsetzung der choreographischen Vision an erster Stelle steht. Gleichzeitig sei Machtmissbrauch kein seltenes Phänomen, wie der Fall des belgischen Choreografen Jan Fabre zeige, der 2022 wegen sexueller Belästigung und Gewalt verurteilt wurde. Ein zentrales Problem sieht Dewor in den prekären Arbeitsbedingungen der Branche. Aufgrund hohen Produktionsdrucks und der Angst, umkämpfte Positionen zu verlieren, fällt es vielen Tänzerinnen und Tänzern schwer, Grenzen zu setzen oder Nein zu sagen.
Besonders riskant schätzt sie Situationen mit großer Altersdifferenz zwischen den Partnern, bei Improvisationen sowie in Stücken, die Nacktheit oder traditionelle Rollenbilder thematisieren. Als Intimacy Choreographerin begleitet Dewor Produktionen als unabhängige Ansprechpartnerin. Ihre Aufgaben reichen von der Abstimmung der Kostüme über Auditions bis hin zu Umkleidesituationen. Während der Proben führt sie regelmäßige Check-Ins durch und vermittelt den Tänzerinnen und Tänzern Werkzeuge, um ihre eigenen Grenzen klar zu kommunizieren.
Ein wichtiges Instrument ist dabei die Körpersprache. Dewor nutzt unter anderem ein Ampelsystem: Bestimmte Gesten signalisieren Grün, Gelb oder Rot, je nachdem, wie eine Berührung an einer bestimmten Körperregion empfunden wird. Diese Übung findet vor der eigentlichen Probe statt, um einen Dialog zu eröffnen und eine gemeinsame Sprache für die Kommunikation zu schaffen.
Um das Feld der Intimacy Choreography weiter auszubauen, veranstaltet Dewor vom 6. bis zum 8. November das Exchange Lab im Crespo Haus in Frankfurt. Die Veranstaltung fokussiert sich auf Praxis, Forschung und Vernetzung. Tanzschaffende können sich in Lectures, Diskussionen und Workshops mit Best-Practice-Beispielen austauschen. Ziel ist der Aufbau einer starken Community, die lokal bis international vernetzt ist.
Das Exchange Lab ist Teil von Dewors Projekt "CLOSER WITH CONSENT", das durch das Next Steps Programm des Bureau Ritter gefördert wird. Dieses Programm dient der Stärkung der Tanzschaffenden in Hessen und wird von der Crespo Foundation unterstützt.
P.Hernandez--AT