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Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse für Poladjan - Kritik an Weimer
Die Schriftstellerin Katerina Poladjan ist mit dem Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Poladjan erhielt den Preis am Donnerstag für ihr Werk "Goldstrand". Ihre Dankesrede verband die 1971 in Moskau geborene Poladjan mit Kritik an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wegen der Vorgänge um den deutschen Buchhandelspreis - sein Vorgehen wecke bei ihr "dunkle Erinnerungen" an die Kindheit in der Sowjetunion.
Poladjan erinnerte in ihrer Dankesrede an ihre eigene Biografie. Als siebenjähriges Mädchen sei sie aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen worden, weil ihre Eltern aus "Angst vor der Willkür" die Sowjetunion verließen.
Sie wolle zwar nicht den "sowjetischen Geheimdienstterror" mit den Vorgängen rund um den deutschen Buchhandlungspreis vergleichen, sagte die Preisträgerin. Aber das Handeln der Bundesregierung bei dem Preis mit diffusen Verweisen auf nicht näher benannte geheimdienstliche Erkenntnisse wecke bei ihr "ein tief verwurzeltes Unbehagen und dunkle Erinnerungen", sagte Poladjan, "dunkle Erinnerungen an eine erstickende Atmosphäre der Unsicherheit und Ohnmacht."
Kulturstaatsminister Weimer hatte den Ausschluss von drei Buchhandlungen von der Verleihung des Buchhandlungspreises mit nicht näher bezeichneten Erkenntnissen des Verfassungsschutzes begründet, dafür steht er auch politisch in der Kritik. Die Besucher der Verleihung des Leipziger Buchpreises applaudierten Poladjan für ihre Kritik an Weimer.
Poladjan wuchs nach dem Wegzug ihrer Eltern in Rom und Wien auf und lebt in Deutschland. In "Goldstrand" erzählt sie die Geschichte eines in Rom lebenden Regisseurs, der in seinen ausschweifenden Erinnerungen seine Biografie entfaltet.
Die Jury erklärte zu Poladjans Werk, dieses führe "meisterlich" vor, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entstehe, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz. Ihre Sprache sei leicht und abgründig zugleich.
Für den Preis der Leipziger Buchmesse reichten 177 Verlage insgesamt 485 Vorschläge ein. Der Preis in seinen drei Kategorien ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert.
In der Kategorie Sachbuch/Essayistik setzte sich Marie-Janine Calic unter den fünf Nominierten durch. Calic erhielt den Preis für ihr Buch "Balkan-Odyssee. 1933 bis 1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa". Die Jury erklärte zur Begründung, Calic schließe mit ihrem "eindrucksvollen Werk" eine Lücke, da die Exilforschung zu Südwesteuropa bislang kaum beachtet sei. "In ihrer enormen und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale, erschließt politisch-historische Zusammenhänge und zeigt den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs", erklärten die Juroren.
Calic, die in München als Geschichts-Professorin lehrt, sagte in ihrer Dankesrede, der Preis sei eine Bestätigung dafür, dass die Geschichten von Flucht und Exil auch heute noch was zu sagen haben. Sie habe auch über die Erfahrungen von wenig bekannten Menschen schreiben wollen.
Den Preis in der Kategorie Übersetzung bekam Manfred Gmeiner zugesprochen. Gmeiner wurde für die Übersetzung des Buchs "Unten leben" von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ins Deutsche ausgezeichnet. Der aus Wien stammende Gmeiner habe die "labyrinthische Erzählung" des Werks "mit spielerischer Eleganz" übersetzt. "Seine ebenso furchtlose wie packende Übersetzung macht die Lektüre zu einer unvergesslichen Erfahrung", befand die Jury.
W.Stewart--AT