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Rosenmontagszüge rollen mit viel Spott für Politik durch Karnevalshochburgen
Mit viel Spott für die Politik hat der Straßenkarneval in den rheinischen Karnevalshochburgen zum Rosenmontag seinen Höhepunkt gefeiert. Deutschlands größter Rosenmontagszug setzte sich in Köln um 10.00 Uhr in Bewegung, später starteten auch die Züge in Düsseldorf und Mainz. Viele tausende Feiernde waren in den Karnevalsmetropolen bei meist sonnigem Wetter auf den Straßen. Traditionell wurden wieder zahlreiche Politiker aufs Korn genommen.
Der Kölner Zug startete bei gutem Wetter und ausgelassener Stimmung an der Severinstorburg und zog mit der Karnevalsgesellschaft der Blauen Funken an der Spitze über eine Strecke von achteinhalb Kilometern durch die Kölner Innenstadt. Die ersten Wagen sollten nach fast vier Stunden das Ende der Zugstrecke erreichen. Für die Feiernden gab es rund 300 Tonnen Süßigkeiten und 300.000 Blumensträußchen.
Wegen jüngster Gewalttaten und der angespannten Sicherheitslage findet der Straßenkarneval überall unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Das Sicherheitskonzept sei noch einmal mit Stadt und Polizei "überprüft" worden, sagte Zugleiter Marc Michelske im Westdeutschen Rundfunk. Demnach wurde ein "Maximum an Sicherheit" erreicht.
Die Mottowagen der Züge setzten sich auch in diesem Jahr kritisch mit der Politik auseinander. Unter den Persiflagewagen zeigte einer den US-Präsident Donald Trump unter dem Motto "Freak Show" als Zirkusdirektor, der mit einer Hand die kniende Justitia und die Freiheitsstatue an einer Leine führt und mit der anderen Hand den Erdball auf seinem ausgestreckten Mittelfinger trägt.
Ein umstrittener Wagen zum Missbrauch in der katholischen Kirche zeigte, wie ein Priester aus einem Beichtstuhl heraus mit den Worten "Jesus liebt dich" einen Messdiener anlockt. Auch die scheidende Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) wurde auf die Schippe genommen. Darüber sei sie nicht "pikiert", sagte sie im WDR. Der Karneval fühle sich "jedes Jahr gleich schön an", ergänzte Reker.
Vor allem in Düsseldorf gab es traditionell viele politische Motive, die Künstler Jacques Tilly gestaltet hatte. Ein Wagen zeigte, wie Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zerquetschen.
Der Wagen wurde nach dem Eklat in Washington noch einmal überarbeitet und um die Aufschrift "Hitler-Stalin-Pakt 2.0" ergänzt. "Da haben wir nochmal extra einen drauf gelegt", um "die Situation zu verdeutlichen", sagte Tilly der "Rheinischen Post". Ein anderer Düsseldorfer Wagen verspottete AfD-Chefin Alice Weidel als Hexe, die Lebkuchen mit Hakenkreuzen darauf an Erstwähler verteilt.
Weitere Themen der Motivwagen in den Rheinmetropolen waren die Schlappe der SPD bei der Bundestagswahl, der Nahostkonflikt oder Personalmangel im Gesundheitswesen. Ein Wagen in Mainz machte sich über CDU-Chef Friedrich Merz und mögliche Koalitionsgespräche mit den Sozialdemokraten lustig. Die Aufschrift: "Sind sie auch eklig anzugucken, eine Kröte muss er schlucken."
Wegen Drohungen im Internet gegen Karnevalsveranstaltungen gab es in diesem Jahr mancherorts Sorge vor Anschlägen. So wurde in Nürnberg ein Kinderfaschingszug zum Rosenmontag wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Es gab aber zunächst keine Berichte über Zwischenfälle.
E.Hall--AT