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Großbritannien steht über Weihnachten massive Streikwelle bevor
In einem zunehmend erbitterten Kampf um höhere Löhne steht Großbritannien über die Feiertage erneut eine massive Streikwelle bevor: Beschäftigte bei der Bahn, bei der Post und beim Grenzschutz wollen während der Weihnachtszeit ihre Arbeit niederlegen. Bereits am Dienstag traten zehntausende britische Pflegekräfte zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in einen beispiellosen Streik. Weitere Arbeitsniederlegungen sind fürs Jahresende geplant.
Nach dem ersten Streik in ihrer 106-jährigen Geschichte vergangene Woche will die Gewerkschaft für Pflegeberufe RCN den Druck auf die Regierung kurz vor Weihnachten weiter erhöhen. Sie fordert inflationsbedingte Lohnerhöhungen und verbesserte Arbeitsbedingungen. Bis zu 100.000 Pflegerinnen und Pfleger in England, Wales und Nordirland beteiligten sich an dem erneuten Arbeitsausstand am Dienstag.
"Leider haben unsere Mitglieder für den Fall, dass es keine Lösung gibt, für einen Streik gestimmt, und das Mandat gilt für sechs Monate", sagte die RCN-Direktorin in England, Patricia Marquis, am Montag dem Times Radio. Der einzige Grund für die festgefahrene Situation sei, dass es niemanden gebe, mit dem über das Problem gesprochen werden könne, sagte Marquis weiter.
Krankenpflegerin Lucy Savage von der Aintree-Universitätsklinik in Liverpool im Nordwesten Englands sagte: "Wir brauchen mehr Geld, wir brauchen mehr Personal, wir brauchen die Sicherheit der Patienten." Das Personal sei "überarbeitet und unterbezahlt", den nationalen Gesundheitsdienst NHS bezeichnete sie als "einzigen Scherbenhaufen". Der 45-jährige Krankenpfleger Suni George sagte, sein Gehalt habe sich in den 17 Jahren seiner Arbeit kaum verändert. "Selbst wenn es so aussieht, als ob das Jahreseinkommen gestiegen ist, haben wir nicht mehr Geld", sagte er vor demselben Krankenhaus.
Schätzungen zufolge ist das reale Lohnniveau von Krankenschwestern und Krankenpflegern seit 2010 um 20 Prozent gesunken, was vor allem auf den Anstieg der Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. Derzeit liegt die Inflationsrate in Großbritannien bei elf Prozent.
Die Gewerkschaft hat die Regierung von Premierminister Rishi Sunak für ihre Weigerung kritisiert, weiter zu verhandeln. Sie warf Gesundheitsminister Steve Barclay zudem vor, bei den jüngsten kurzen Treffen einen "Macho"-Verhandlungsstil an den Tag gelegt zu haben. Dieser kritisierte die RCN-Forderungen am Montag als "unbezahlbar".
Das zuständige Gremium der Gesundheitsbehörde NHS habe eine Gehaltserhöhung von jährlich mindestens 1400 Pfund (gut 1600 Euro) zusätzlich zu dem Gehaltsplus von drei Prozent im vergangenen Jahr empfohlen, sagte er. Gespräche über weitergehende Forderungen lehnt die Regierung unter Verweis auf die angespannte Lage im Gesundheitswesen ab.
Die Minister verschiedener Ressorts trafen sich am Montag zu ihrer letzten Krisensitzung, um die Auswirkungen der zunehmenden Streiks im öffentlichen Dienst abzufedern. Sie planen unter anderem, 750 Militärangehörige als Fahrer von Krankenwagen einzusetzen. Weitere 625 Soldaten sollen gemäß einer "Notfallplanung" von Freitag bis Silvester streikende Grenzschützer ersetzen.
In Großbritannien hatten angesichts der massiven Kaufkraftverluste in den vergangenen Monaten bereits Hafenarbeiter, Flughafenangestellte und Müllleute gestreikt. Für Mittwoch kündigten Mitarbeiter von Rettungsdiensten Streiks an.
J.Gomez--AT