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Mindestens ein Toter und rund 15 Vermisste nach Sturzflut im Grand Canyon
Bei einer Sturzflut im berühmten Grand Canyon im Westen der USA ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Rund 15 weitere wurden nach Angaben der Nationalparkverwaltung am Sonntag (Ortszeit) noch vermisst. In Zusammenarbeit mit den Behörden des Bundesstaates Arizona wurden dutzende weitere Menschen in Sicherheit gebracht. Durch die Flut wurde auch die einzige Wasserleitung zur Versorgung des Parks beschädigt. Für Montag wurde vor weiteren Gewittern und heftigen Regenfälle gewarnt.
Nach Angaben des National Park Service (NPS) hatte sich die plötzliche Flut am Samstagnachmittag am Bright Angel Canyon im Gebiet der Unterkunft "Phantom Ranch" im unteren Bereich der Schlucht ereignet. Ausgelöst wurden die Wassermassen demnach durch heftige Regenfälle auf dem sogenannten Kaibab Plateau. Am Sonntagabend sei dann nahe der Stromschnellen Crystal Rapids im Colorado River die Leiche eines 46-jährigen Mannes geborgen worden, teilte die Nationalparkverwaltung mit, die nach eigenen Angaben einen Gerichtsmediziner anforderte.
Rund 15 Menschen wurden laut NPS noch vermisst. Deutsche befinden sich nach ersten Erkenntnissen nicht darunter, wie es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß. Allerdings sei die Lage sehr unübersichtlich. Das Generalkonsulat in Los Angeles stehe mit den örtlichen Behörden in Kontakt. Bis zum Sonntagmorgen wurden nach Angaben des Nationalparks 62 Menschen in Sicherheit gebracht, weitere Evakuierungen sind geplant.
Die Flut hat den Angaben des Nationalparks zufolge "erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur im gesamten Bright Angel Canyon". Fast alle Fußgängerbrücken über den Bright Angel Creek seien zerstört worden, sodass Wanderer den Bach nicht mehr überqueren könnten. Videoaufnahmen von Wanderern zeigen einen Strom schlammigen Wassers, der an einem Wanderweg vorbeischießt, sowie Baumstämme und andere Trümmer, die durch angeschwollene Flüsse treiben.
Der NPS warnte, am Montag seien weitere Gewitter und starke Regenfälle möglich, die womöglich "weitere Sturzfluten" oder auch Steinschlag auf den Wanderwegen auslösen könnten.
Durch die Sturzflut wurde auch die 20 Kilometer lange Transcanyon Waterline beschädigt. Sie verläuft vom Nordrand des Grand Canyon bis zum Südrand und ist nach Angaben auf der Webseite des Parks die zentrale Trinkwasserleitung zur Versorgung der Menschen in dem Gebiet. Außerdem dient sie der Brandbekämpfung. Die Parkverwaltung ordnete Beschränkungen für besonders stark besuchte Gebiete an und erließ ein Verbot für offenes Feuer. Ab Montag sind zudem Übernachtungsmöglichkeiten geschlossen. "Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Wasserversorgung zu gewährleisten", teilte die Parkverwaltung mit.
Der Grand Canyon gilt als eines der größten Naturwunder der Welt. Über Millionen von Jahren hat der Colorado River den typisch roten Sandstein Schicht um Schicht abgetragen und so eine Schlucht von bis zu 28 Kilometern Breite und mehr als einem Kilometer Tiefe entstehen lassen. Im vergangenen Jahr besuchten fast fünf Millionen das Gebiet.
Sturzfluten sind im Norden von Arizona keine Seltenheit. Die trockenen, dünn bewachsenen Landschaften können laut Angaben des Nationalparks nur wenig Regenwasser aufnehmen. Vor allem von Juli bitte September sind Besucherinnen und Besucher aufgefordert, vorsichtig zu sein.
Th.Gonzalez--AT