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Todesschütze an Schule in der Türkei hatte offenbar frauenfeindliches US-Vorbild
Der Todesschütze an einer Schule in der Türkei hatte ersten Ermittlungen zufolge offenbar ein frauenfeindliches Vorbild in den USA. Vor seiner Tat bezog sich der 14-Jährige im Internet auf den US-Attentäter Elliot Rodger, der 2014 aus Frauenhass sechs Menschen getötet hatte. Mehrere tausend Lehrer demonstrierten am Donnerstag nach zwei Angriffen an Schulen in der Türkei in nur zwei Tagen für besseren Schutz. Die Polizei ging massiv gegen Internetnutzer vor, die "Verbrechen und Kriminelle verherrlicht" haben sollen.
Bei der Tat am Mittwoch hatte der Angreifer in der südtürkischen Stadt Kahramanmaras fünf Jungen und drei Mädchen im Alter von 10 und elf Jahren sowie einen 55-jährigen Lehrer erschossen. Den Ermittlungen zufolge erschien der Schüler mit fünf Waffen in der Schule und eröffnete in zwei Klassenräumen wahllos das Feuer. Dabei wurden auch 13 Menschen verletzt. Der Angreifer erschoss sich nach der Tat selbst.
Ein Hinweis auf das Motiv des 14-Jährigen könnte das Whatsapp-Profil des Täters sein. "Erste Erkenntnisse der Ermittlungen ergaben, dass der Täter auf seinem WhatsApp-Profil ein Bild verwendete, das auf Elliot Rodger Bezug nahm, der 2014 einen Anschlag in den Vereinigten Staaten verübte", erklärte die Polizei. Der US-Angreifer hatte an einer kalifornischen Universität sechs Menschen getötet. Zuvor beschwerte er sich im Internet über Frauen, die ihn zurückgewiesen und ignoriert hätten - und kündigte an, Rache an Frauen zu nehmen.
Der 14-Jährige in der Türkei plante seinen Angriff offenbar zumindest seit einigen Tagen. Auf seinem Computer wurden laut Polizei Dokumente vom 11. April gefunden, in denen er seine Absicht niederschrieb, "in der nahen Zukunft einen großen Angriff auszuführen". Einen terroristischen Hintergrund schlossen Staatsanwaltschaft und Polizei aus. Sie bestätigten zudem die Festnahme des Vaters des Täters, ein ehemaliger Inspektor der städtischen Polizei. Ihm gehörten offenbar die Waffen, die der 14-Jährige bei seiner Tat nutzte.
Die Opfer des Angriffs wurden am Donnerstag beigesetzt. Die Schulen in der Provinz Kahramanmaras blieben geschlossen, auch am Freitag soll kein Unterricht stattfinden. Vor der Schule, in der der Angriff stattgefunden hatte, wurden Rosen abgelegt. In der Hauptstadt Ankara kamen mehr als 3500 Lehrer zu einem Protestmarsch zusammen. Sie forderten einen besseren Schutz an Schulen und den Rücktritt des Bildungsministers. "Wo waren Sie, als unsere Kinder starben?", riefen die Demonstranten.
Erst am Dienstag hatte ein junger Mann an seiner ehemaligen Schule in der südöstlichen Provinz Sanliurfa mit einer Schusswaffe 16 Menschen verletzt und sich anschließend das Leben genommen. Bei den Verletzten handelte es sich nach Angaben des Innenministerium um zehn Schüler, vier Lehrer, einen Polizisten und einen Kantinenmitarbeiter.
Nach den zwei Schusswaffenangriffen in nur zwei Tagen tauchten im Internet Falschinformationen und auch Kommentare auf, welche die Täter priesen. Es seien deshalb mehr als 160 Personen festgenommen und mehr als tausend Internetkonten gesperrt worden, erklärte die Polizei. Sie sprach von Beiträgen, die "Angst und Panik schüren" oder "Verbrechen und Kriminelle verherrlichen" sollten.
Derartige Schusswaffenangriffe kommen in der Türkei relativ selten vor. Im Mai 2023 hatte ein verwiesener Schüler an seiner früheren Schule den 74-jährigen Direktor erschossen. Nach seiner Flucht wurde der Angreifer festgenommen. Die Gewalttat löste landesweit Diskussionen aus. Tausende Lehrer demonstrierten in Istanbul für bessere Sicherheitsvorkehrungen an Schulen.
In der Türkei gelten strenge Waffengesetze. Der Besitz einer Schusswaffe erfordert eine Registrierung und einen Waffenschein inklusive einem Nachweis der psychologischen Eignung sowie eine Überprüfung auf mögliche Vorstrafen. Auf illegalen Waffenbesitz stehen strenge Strafen. Laut den Schätzungen einer türkischen Stiftung sind in der Türkei allerdings dennoch zahlreiche Schusswaffen im Umlauf, die meisten davon illegal.
M.King--AT