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Hurrikan "Melissa" wütet in Kuba - Mindestens zwanzig Tote in Haiti
Hurrikan "Melissa" hat am Mittwoch weiter in der Karibik gewütet: Am frühen Morgen erreichte der tropische Wirbelsturm Kuba, wo er nach den Worten von Präsident Miguel Díaz-Canel "beträchtliche Schäden" anrichtete. In Haiti meldeten die Behörden mindestens zwanzig Tote durch Überschwemmungen. Mit Blick auf die Verwüstungen, die der Hurrikan mit der höchsten Kategorie fünf zuvor in Jamaika angerichtet hatte, sprachen die Vereinten Nationen von Zerstörung in nie dagewesenem Ausmaß.
In Kuba war "Melissa" laut dem US-Hurrikanzentrum (NHC) mit maximalen Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern auf Land getroffen. Die Behörde rief betroffene Menschen auf, auch nach Abzug des Sturms in Schutzräumen zu bleiben. Der Hurrikan nahm danach Kurs auf die Bahamas, wo noch am Mittwoch ein gefährlicher Sturm erwartet wurde. Anschließend sollte er in Richtung Bermuda-Inseln ziehen, wo er voraussichtlich am Donnerstagabend auf Land treffen soll.
"Es waren sehr schwere frühe Morgenstunden", erklärte Kubas Präsident Díaz-Canel im Onlinedienst X, ohne zunächst nähere Angaben zu den Schäden zu machen. Er forderte die Kubaner auf, wegen des immer noch sehr starken Sturms weiterhin Schutz zu suchen.
In Santiago de Cuba im Osten der Insel wateten die Menschen durch überflutete Häuser und Straßen, die von Trümmern übersät waren. Auf den Straßen lagen entwurzelte Bäume, umgekippte Strommasten und heruntergerissene Dächer, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Im größten Hotel der Stadt waren Fenster zerbrochen und einige Decken eingestürzt.
Die staatliche Zeitung "Granma" berichtete von einem über die Ufer getretenen Fluss und und einem Erdrutsch in der Stadt El Cobre. Der Zivilschutz versuche dort, 17 festsitzende Menschen zu befreien, hieß es.
Vor dem Landgang von "Melissa" waren in Kuba den Behörden zufolge 735.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden - vor allem in den Provinzen Santiago de Cuba, Holguín und Guantánamo.
Im östlich von Kuba gelegenen Haiti starben infolge des Durchzugs des Hurrikans mindestens zwanzig Menschen durch Überschwemmungen. Unter den Opfern waren laut dem Leiter der Zivilschutzbehörde, Emmanuel Pierre, zehn Kinder. Weitere zehn Menschen wurden demnach vermisst.
Über Jamaika hatte der Sturm am Dienstag mehrere Stunden gewütet, da er sich nur sehr langsam vorwärts bewegte. Jamaikas Ministerpräsident Andrew Holness erklärte den Karibikstaat zum "Katastrophengebiet". Zwischenzeitlich erreichte der Hurrikan Windgeschwindigkeiten von knapp 300 Stundenkilometern.
Das Ausmaß der Schäden auf Jamaika war zunächst noch unklar, weite Teile der Insel waren am Mittwoch immer noch ohne Strom, das Kommunikationsnetz war stark gestört.
Mit "Melissa" traf erstmals seit 90 Jahren ein Hurrikan mit derartiger Stärke auf Land, wie eine Auswertung von Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) durch die Nachrichtenagentur AFP ergab. Der "Labour Day"-Hurrikan, der 1935 die Inselkette Florida Keys im Süden der USA verwüstet hatte, war - wie "Melissa" - mit 300 Stundenkilometern und einem minimalen Luftdruck von 892 Millibar auf Land getroffen.
Der UN-Koordinator in Jamaika, Dennis Zulu, sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, dass das Land ersten Einschätzungen zufolge "in einem noch nie dagewesenen Ausmaß verwüstet worden" sei. Der Wirbelsturm habe zu einer "gewaltigen und beispiellosen Zerstörung der Infrastruktur, von Eigentum, Straßen und Netzverbindungen" geführt. Überall im Land seien Menschen in Notunterkünften untergebracht.
Die örtlichen Behörden in Jamaika warnten davor, dass Krokodile wegen der steigenden Pegelstände in Flüssen und Sümpfe in Wohngebiete vordringen könnten. Vor allem Kinder und Haustiere sollten von überschwemmten Gebieten ferngehalten werden.
Nach Angaben der Behörden halten sich rund 25.000 Touristen auf der normalerweise für ihr kristallklares Meer bekannten Insel auf.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, die Bundesregierung sei "angesichts der Bilder und Berichte von enormen Schäden in der Karibik sehr besorgt". Die Lage sei derzeit unübersichtlich. "Wir prüfen als Bundesregierung, wie wir bedarfsgerecht gegebenenfalls auch schnell Hilfe leisten können", fügte die Sprecherin hinzu.
Die Vereinten Nationen teilten mit, sie hätten aus ihrem zentralen Nothilfefonds jeweils vier Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) für Haiti und Kuba bereitgestellt. Das britische Außenministerium kündigte für Jamaika Finanzhilfen von umgerechnet 2,8 Millionen Euro an, um Notunterkünfte, Wasserfilter und Decken kaufen zu können.
Die US-Regierung erklärte, in engem Kontakt mit den Regierungen von Jamaika, Haiti, der Dominikanischen Republik und der Bahamas zu stehen. US-Außenminister Marco Rubio erklärte im Onlinedienst X, dass Rettungs- und Einsatzteams mit lebenswichtigen Hilfsgütern in die betroffenen Gebiete entsandt worden seien. "Unsere Gebete gelten den Menschen in der Karibik", fügte er an.
W.Morales--AT