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Mutmaßlicher Weihnachtsmarktattentäter von Magdeburg: Arbeitgeber legt Bericht vor
Der als Arzt in der forensischen Psychiatrie tätige mutmaßliche Weihnachtsmarktattentäter von Magdeburg ist nach Angaben seines Arbeitgebers durch fachliche Defizite und ein zurückgezogenes Verhalten aufgefallen. Das geht einem am Mittwoch von der Salus Altmark Holding in Magdeburg vorgelegten internen Abschlussbericht zu Taleb A. hervor. Anhaltspunkte dafür, dass der Klinikbetreiber das Attentat mit sechs Toten im Dezember hätte verhindern können, ergab die Sonderprüfung demnach nicht.
Das durch Recherchen der Prüfgruppe entstandene Gesamtbild zeugt laut Holding "von fachärztlichen Defiziten und Unzuverlässigkeiten eines verschlossenen Einzelgängers". Vorfälle zum Nachteil der Gesundheit von Patienten habe es zwar nicht gegeben, aber A.s Kompetenz sei durch Kollegen und Vorgesetzte als mangelhaft eingestuft worden. Daher sei er auch nicht mit Psychotherapien betraut worden.
Dem Bericht zufolge fielen auch mehrere "als teilweise auffällig" eingeschätzte E-Mails des Arztes auf, in denen dieser seinen Unmut über Behörden äußerte und von einer Vielzahl von Gerichtsverfahren in eigener Sache berichtete. Diese im dienstlichen Kontext versandten Nachrichten seien "sehr lang, teilweise wirr und inhaltlich schwer nachvollziehbar" gewesen. Drohungen oder sonstige Inhalte, die Anlass für Strafanzeigen gegeben hätten, seien aber nicht enthalten gewesen.
Der aus Saudi-Arabien stammende A. soll am 20. Dezember vergangenen Jahres mit einem Mietwagen über den stark besuchten Weihnachtsmarkt in Magdeburg gefahren sein und zahlreiche Menschen erfasst haben. Ein neunjähriger Junge und fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren starben, rund 300 Menschen wurden verletzt. Voraussichtlich bald beginnt der Prozess gegen den Verdächtigen am Landgericht Magdeburg.
Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg soll A. aus "Unzufriedenheit und Frustration" im Zusammenhang mit erfolglos von ihm angestrengten rechtlichen Auseinandersetzungen gehandelt haben. Sie wirft ihm unter anderem sechsfachen Mord vor. Der Verdächtige lebte seit 2006 in Deutschland und arbeitete in einem Klinikum des Maßregelvollzugs für psychisch kranke Straftäter. Er wurde unmittelbar nach der Tat gefasst und sitzt in Untersuchungshaft. Die Klinik entließ ihn.
Neues Licht auf den Fall wirft der Abschlussbericht des Arbeitgebers insgesamt nicht. Schon kurz nach der Tat wurde bekannt, dass A. in sozialen Netzwerken und anderweitig durch teils wirre und radikale Äußerungen auffiel. Den Sicherheitsbehörden lagen mehrere Hinweise auf potenziell von diesem ausgehende Gefahren vor, der Verdächtige passte aber in keine gängige extremistische Gefährderkategorien.
Auch Berichte über ein zurückgezogenes Verhalten des Arztes bei der Arbeit und Beschwerden im Kollegenkreis über dessen aktivistische Beschäftigung mit eigenen außerdienstlichen Angelegenheiten gab es bereits kurz nach der Tat. Der Klinikbetreiber informierte zudem zwischendurch immer wieder über den Stand der internen Sonderprüfung.
M.Robinson--AT