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Frankreich gedenkt der Opfer des islamistischen Angriffs auf koscheren Supermarkt
Zwei Tage nach dem zehnten Jahrestag des islamistischen Anschlags auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat Frankreich auch der Opfer der Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt bei Paris gedacht. Innenminister Bruno Retailleau, mehrere weitere Regierungsmitglieder sowie die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nahmen am Donnerstag an einer Gedenkfeier vor dem Geschäft teil, in dem 2015 ein Komplize der "Charlie"-Attentäter 20 Menschen als Geiseln genommen und vier von ihnen getötet hatte.
Bei der Gedenkfeier, zu der sich etwa 200 Menschen versammelt hatten, wurden zehn Kerzen entzündet - für die Opfer von Anschlägen, aber auch für die derzeitigen israelischen Geiseln in der Hand der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas. Der Großrabbiner von Paris, Michel Gugenheim, betete das jüdische Trauergebet Kaddisch, bevor eine Schweigeminute eingehalten und dann die Nationalhymne gesungen wurde.
Mit der Geiselnahme in dem Supermarkt am Stadtrand von Paris hatte der Täter Amedy Coulibaly versucht, freien Abzug für die Brüder Chérif und Saïd Kouachi zu erpressen, die nach dem "Charlie"-Anschlag auf der Flucht waren. Sowohl die Kouachi-Brüder als auch Coulibaly wurden von der Polizei erschossen. Zwei islamistische Organisationen hatten die Anschläge für sich reklamiert.
Viele Angehörige der Opfer fühlten sich heute vergessen, sagte der Anwalt Patrick Klugmann der Zeitung "Le Monde". Angesichts der zahlreichen islamistischen Anschläge in Frankreich sei "kein Platz für sie im kollektiven Gedächtnis". Einige der Familien hätten Frankreich nach dem Angriff auf den Supermarkt verlassen und seien nach Israel oder in die USA gezogen.
Der jüdische Dachverband Crif lud zudem gemeinsam mit "Charlie Hebdo" für den Donnerstagabend zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto "Wir sind die Republik" ein - eine Anspielung an die Solidaritätserklärung "Ich bin Charlie", die nach den Anschlägen um die Welt gegangen war. "Der Kampf gegen den antisemitischen Islamismus geht weiter", betonte der Crif-Vorsitzende Yonathan Arfi.
In den vergangenen Tagen waren Graffiti in Form von Davidsternen und dem Wort "Jude" auf Gebäuden in der Nähe des koscheren Supermarktes entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Aufhetzung.
Die Gedenkfeiern hatten am Dienstag vor dem ehemaligen Redaktionssitz von "Charlie Hebdo" begonnen, in den am 7. Januar 2015 die Kouachi-Brüder eingedrungen waren. Sie hatten dort und auf der Flucht insgesamt zwölf Menschen getötet. Zu den Toten zählten einige der bekanntesten Karikaturisten des Landes.
Die Satirezeitung "Charlie Hebdo" war von Islamisten bedroht worden, seit sie 2006 als eine von wenigen Zeitungen weltweit Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" nachgedruckt hatte. Die Täter schrien bei ihrer Flucht "Wir haben den Propheten gerächt! Wir haben 'Charlie Hebdo' getötet!"
Der Anschlag auf die Meinungsfreiheit löste eine beispiellose Solidaritätswelle aus. Zu einem Gedenkmarsch am 11. Januar 2015 reisten dutzende Staats- und Regierungschefs nach Paris. Landesweit gingen vier Millionen Menschen auf die Straße.
J.Gomez--AT