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Nach Missbrauchsskandal: Anglikanisches Kirchenoberhaupt legt Bischofsstab nieder
Der wegen eines Missbrauchsskandals zurückgetretene Erzbischof von Canterbury, geistliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche, legt am Montag endgültig sein Amt nieder. Der 67-jährige Justin Welby werde noch an zwei Gottesdiensten teilnehmen und in einem symbolischen Akt den Bischofsstab niederlegen, berichteten britische Medien. Um Mitternacht ende dann sein Amt nach zwölf Jahren.
Justin Welby war im November nach massiven Rücktrittsforderungen zurückgetreten, weil Kritiker ihm mangelnde Aufarbeitung eines Missbrauchsskandals in seiner Kirche vorgeworfen hatten. Welby wird vorübergehend vertreten vom scheidenden Erzbischof von York, Stephen Cottrell, der sich ebenfalls mit Rücktrittsforderungen wegen eines anderen historischen Missbrauchsskandals konfrontiert sieht.
Hintergrund des Rücktritts von Welby ist ein Untersuchungsbericht zu einem Missbrauchsskandal in den 1970er und 80er Jahren. Die Kirche habe wiederholt versäumt, gegen die Taten des Anwalts John Smyth vorzugehen, der Sommerlager der Kirche organisierte und bis zu 130 Jungen und junge Männer missbraucht haben soll, hieß es in dem Bericht.
Die Kirche von England - die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft - habe die "traumatischen physischen, sexuellen, psychologischen und spirituellen Übergriffe" vertuscht, die sich in Großbritannien, Simbabwe und Südafrika über mehrere Jahrzehnte hinweg ereignet hätten, konstatiert der Bericht. Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Welby den Missbrauch den Behörden hätte melden "können und müssen", als er im Jahr 2013 erstmals davon erfahren habe.
Smyth starb 2018 im Alter von 75 Jahren in Südafrika. Die britische Polizei leitete zwar Ermittlungen gegen ihn ein, er wurde aber nie strafrechtlich belangt. Der Skandal kam 2017 durch eine Dokumentation des Senders Channel 4 ans Licht.
"Es ist sehr klar, dass ich persönlich und institutionell die Verantwortung für die lange und erneut traumatisierende Zeit zwischen 2013 und 2024 übernehmen muss", sagte Welby in seiner Rücktrittserklärung.
Kurz vor Welbys Rücktrittserklärung hatte der britische Premier Keir Starmer den Druck auf Welby erhöht, indem er betonte, Smyths Opfer seien "sehr, sehr schlecht behandelt" worden. Auf die Frage, ob Welby zurücktreten solle, sagte Starmer lediglich, dies sei "eine Angelegenheit der Kirche".
Das Auswahlverfahren für den offiziellen Nachfolger von Welby dürfte sich Berichten zufolge über mehrere Monate hinziehen. Weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist König Charles III.
A.O.Scott--AT