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Versicherer: Hinter Falschfahrten auf Autobahnen steckt oft Absicht
Falschfahrten auf Autobahnen passieren nach Angaben der Versicherungswirtschaft oft mit Absicht. In rund einem Drittel der Fälle werde im fließenden Verkehr gewendet, teilte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) am Mittwoch in Berlin mit. Während bei Senioren häufig eine Verwirrtheit eine Rolle spiele, seien es bei Jüngeren oft suizidale Absichten oder eine Flucht vor der Polizei.
Bei knapp jedem fünften Fall ist Alkohol zumindest als Begleitumstand beteiligt. Betroffen davon sind aber fast ausschließlich Menschen unter 65 Jahren. Die falsch zurückgelegte Strecke wurde überwiegend auf der in korrekter Richtung linken Spur zurückgelegt. Dementsprechend gab es dort die meisten Unfälle.
Ein weiteres Ergebnis: Mehr als 40 Prozent aller Unfälle infolge von Falschfahrten auf Autobahnen werden von Menschen über 75 Jahren verursacht. Überwiegend handelt es sich dabei um Männer. In dieser Altersgruppe waren Demenz oder Verwirrtheit das Problem.
"Die Ergebnisse sind erschreckend und zeigen, dass wir bisher unsere Hoffnungen auf Maßnahmen gesetzt haben, die nur begrenzt Wirkung entfalten können", erklärte UDV-Chef Siegfried Brockmann. Eine verbesserte Linienführung und "Stopphände" wie in Österreich könnten nur funktionieren, wenn die Tat unbewusst geschehe. Automatisch ausfahrende Krallen an Anschlussstellen könnten nur an Ausfahrten helfen und würden Einsatzwagen stoppen.
Als Lösung schlug die UDV vor, Neuwagen mit einer Notbremsfunktion auszurüsten, die über Verkehrszeichenerkennung und GPS die beginnende Falschfahrt früh erkennt und stoppt. Eine kurz- und mittelfristige Lösung sei eine optimierte Information, beispielsweise über den Verkehrsfunk oder über Apps im Fahrzeug. Schwerpunkt dabei solle die Information der übrigen Verkehrsteilnehmer sein.
Die bisherigen Verhaltensempfehlungen, äußerst rechts zu fahren und nicht zu überholen, solle um die Empfehlungen ergänzt werden, nicht schneller als 80 Kilometer pro Stunde zu fahren und den Warnblinker einzuschalten, forderte die UDV. Menschen, die versehentlich falsch auf die Autobahn auffahren und es früh merken, sollten möglichst auf dem Standstreifen stehen bleiben, den Warnblinker einschalten und Hilfe rufen. Dann seien sie nicht gefährlicher als Pannenfahrzeuge.
E.Rodriguez--AT