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Staatsanwältin bezeichnet Abdeslam als "Mittäter" des Anschlags in Brüssel 2016
Belgiens Staatsanwaltschaft hat den wegen seiner Beteiligung an den Pariser Anschlägen von 2015 verurteilten Salah Abdeslam als Mittäter der Bombenattentate in Brüssel 2016 eingestuft. Der 33-jährige Franzose habe der Islamisten-Zelle, die die Anschläge am Brüsseler Flughafen und einer U-Bahnstation beging, "bewusst geholfen" und müsse dementsprechend verurteilt werden, forderte Staatsanwältin Paule Somers am Donnerstag vor Gericht.
In Brüssel hatten sich am 22. März 2016 drei Selbstmordattentäter am Flughafen und in einer U-Bahn-Station in die Luft gesprengt. Dabei wurden 32 Menschen getötet und 700 weitere verletzt oder traumatisiert. Die Anklage geht sogar von 36 Todesopfern aus, darunter vier Menschen, die erst später infolge der Anschläge gestorben sind, darunter eine traumatisierte junge Frau, die vergangenes Jahr starb.
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu den Anschlägen in Brüssel bekannt. Wegen der Anschläge in Paris vom 13. November 2015 mit 130 Toten war Abdeslam vier Tage vor den Angriffen in Brüssel festgenommen worden. Er war der einzige Überlebende der Selbstmord-Kommandos von Paris, weil sein Sprenggürtel nicht zündete. Danach hatte er nach Überzeugung der belgischen Staatsanwaltschaft als Kämpfer das "Vertrauen" der Brüsseler IS-Zelle, um an weiteren Anschlägen beteiligt zu sein.
Es sei nicht notwendig, "die Details, das Datum und das genaue Ziel zu kennen, um Mittäter eines Terroranschlags zu sein", argumentierte Somers. Die Staatsanwältin verwies auf den "geheimen" Aufenthalt Abdeslams bei der Brüsseler Terroristenzelle nach den Pariser Anschlägen. Diese Verbindung zeige, dass er an den Vorbereitungen der folgenden Attentate beteiligt gewesen sei.
Abdeslam sei ein vollwertiges Mitglied gewesen, erläuterte Somers. Die Ermittler hätten einen Brief des Franzosen gefunden, in dem er geschrieben habe, "die Arbeit mit seinen Brüdern zu Ende bringen" zu wollen. Dies widerspricht nach Ansicht der Anklage auch seinen Angaben, dass er nach Syrien gehen wollte. Die Gruppe habe Ende 2015 in Brüssel "von der Welt abgekapselt" gelebt, Waffen zusammengetragen und Ziele in Betracht gezogen. Abdeslam sei "überhaupt nicht außen vor" gewesen, bekräftigte die Staatsanwältin.
Zu Beginn des Prozesses in Brüssel hatte Abdeslam gesagt, er habe nichts von den Anschlagsplänen in der belgischen Hauptstadt gewusst. "Der Anschlagsplan entstand nach meiner Festnahme am 18. März 2016", sagte er. "Ich wusste von nichts." Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm eine weitere lebenslange Haftstrafe.
Insgesamt sind in Brüssel neun Verdächtige wegen "Mordes und versuchten terroristischen Mordes" angeklagt, unter ihnen auch der ebenfalls im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen verurteilte Kindheitsfreund Abdeslams, Mohamed Abrini. Dieser hatte sich beim Anschlag am Brüsseler Flughafen in letzter Minute dagegen entschieden, sich zusammen mit seinen beiden Komplizen in die Luft zu sprengen. Er hatte vor dem Gericht in Brüssel ausgesagt, dass die Attentäter eigentlich erneut in Paris zuschlagen wollten. Nach der Verhaftung von Abdeslam hätten sie sich dann aber für Brüssel entschieden. Ein erstes Urteil wird im Juli erwartet.
T.Wright--AT