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Vier Tage nach Beben in Türkei und Syrien weiter Rettungseinsätze für Verschüttete
Inmitten der unvorstellbaren Verzweiflung im türkisch-syrischen Erdbebengebiet hat die Rettung eines 16-jährigen Mädchens für einen Hoffnungsschimmer gesorgt. Mehr als 80 Stunden nach der Katastrophe konnten Helfer im stark verwüsteten Antakya im Süden der Türkei die Jugendliche aus Trümmern retten. Auch die deutsche Hilfsorganisation ISAR Germany bemühte sich um die Bergung einer noch lebenden Verschütteten. Derweil stieg die Gesamtzahl der Opfer in der Türkei und Syrien auf mehr als 21.700 Tote.
Überall im Unglücksgebiet suchten Helfer in der Nacht zum Freitag weiter nach möglichen Überlebenden. Neuen Elan bekamen sie durch die Rettung von Melda Adtas in Antakya. Das Mädchen wurde laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten mehr als 80 Stunden nach dem Beben gerettet.
Eigentlich gelten 72 Stunden als die Zeitgrenze, nach der bei einer derartigen Katastrophe nicht mehr mit Überlebenden unter den Schuttbergen zu rechnen ist. Als Melda dann trotzdem aus den Trümmern gerettet wurde, war der Jubel in der ansonsten von blanker Not überwältigten Stadt riesig.
Auch Einsatzkräfte von ISAR Germany versuchten am Freitag weiterhin, eine in der türkischen Stadt Kirikhan verschüttete Frau noch lebend zu bergen. Im Onlinedienst Twitter veröffentlichte die Organisation ein Video, das zeigt, wie einer ihrer Retter offenbar beruhigend auf die Frau einredet. "Wir sind bei Ihnen", sagt er. Über einen kleinen Schacht werde der Kontakt zu der Frau gehalten, erklärte ISAR Germany zu dem bereits mehr als 50 Stunden dauernden Bergungseinsatz. "Wir geben nicht auf!"
Derweil stieg die Zahl der Todesopfer durch das Erdbeben nach jüngsten offiziellen Angaben auf der türkischen Seite auf 18.342. Auf der anderen Seite der Grenze in Nordsyrien wurden bis Donnerstagabend 3377 Tote gezählt. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 21.719. Erschwert werden die Rettungsarbeiten durch das eisige Wetter, das auch die Überlebenden bedroht, die in notdürftigen Unterkünften oder gar im Freien ausharren müssen.
Die internationale Hilfe kam unterdessen immer mehr in Schwung. Die Weltbank sagte der Türkei 1,78 Milliarden Dollar (rund 1,66 Milliarden Euro) zu. Die USA kündigten ein erstes Hilfspaket in Höhe von 85 Millionen Dollar für die Türkei und Syrien an. Es gehe nun vor allem um Nahrungsmittel, Unterkünfte und medizinische Notversorgung.
Auch die Hilfen aus Deutschland nahmen an Fahrt auf. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) flogen am Donnerstag drei A400M-Flugzeuge der Bundeswehr mit 55 Tonnen Hilfsgütern wie Zelten, Heizlüftern und Schlafsäcken in die Türkei.
Für Freitag sind laut Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) drei weitere Flüge vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit mehr als 40 Tonnen Material an Bord geplant. In den nächsten Tagen werde das "so weitergehen", sagte er am Freitagmorgen bei einem Besuch mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in Wunstorf.
Die Hilfslieferungen werden durch die zerstörte Infrastruktur und die ungünstigen Witterungsbedingungen erschwert. In Syrien kommt die politisch schwierige Situation hinzu: Das Katastrophengebiet in dem Bürgerkriegsland ist in von Damaskus kontrollierte Gebiete und Territorien unter der Kontrolle regierungsfeindlicher und überwiegend islamistischer Milizen geteilt.
Im von oppositionellen Kämpfern kontrollierten Nordwesten Syriens war am Donnerstag der erste Hilfskonvoi seit dem Beben eingetroffen, wie ein syrischer Grenzbeamter mitteilte. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP sah, wie sechs Lastwagen, die unter anderem mit Zelten und Hygieneartikeln beladen waren, den Grenzübergang Bab al-Hawa passierten.
Laut dem syrischen Grenzbeamten Masen Allusch handelte es sich aber um Hilfsgüter, die bereits vor dem Erdbeben für Syrien bestimmt waren. Die in der Region tätige Hilfsorganisation der Weißhelme zeigte sich enttäuscht, dass es sich um "routinemäßige" Hilfe handele und keine Ausrüstung für Bergungsarbeiten nach dem Beben.
Wegen des Erdbebens verkündete die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Nacht zu Freitag, vorläufig alle "Operationen" im Land einzustellen. "Wir haben entschieden, keine Operationen auszuführen, solange uns der türkische Staat nicht angreift", zitierte die der PKK nahestehende Nachrichtenagentur Firat den PKK-Führer Cemil Bayik.
A.Moore--AT